Vom Stadtplan verschwunden. Die Luisenstadt in den 20er Jahren

Bezirkskarte 1920 - Senat Berlin

Aber diese Entwicklungen können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Luisenstadt als eigenständiges Gemeinwesen erodierte. Und so war es nur folgerichtig, daß im Rahmen der Großstadtwerdung Berlins 1920 die Luisenstadt von der kommunalen Landkarte verschwand. Der kleinere Teil nördlich des Luisenstädtischen Kanals, wurde dem neuen Bezirk ‚Mitte‘ zugeschlagen, der südliche Teil dem Bezirk ‚Hallesches Tor‘, ab 1921 ‚Kreuzberg‘. Die Lebensverhältnisse der Bevölkerung wurden von dieser Verwaltungsentscheidung nicht tangiert, die Folgen zeigten sich erst 1945, als die Sektorengrenze entlang der Bezirksgrenzen gezogen wurde und ab 1961 die Mauer quer durch die Luisenstadt lief.

1927 aber erschien noch „Die Luisenstadt. Ein Heimatbuch“, ein Zeichen der weiterbestehenden Identität dieses Gemeinwesens.

Zeichnung Barth: Indischer Teich - Gartendenkmalpflege Berlin Aber deutliche Einbrüche waren zu verzeichnen: Der Bau der U-Bahnlinie von Kottbusser Tor zum Alexanderplatz bot Anlaß, den verkehrstechnisch überflüssigen und hygienisch bedenklich gewordenen Luisenstädtischen Kanal aufzulassen. Ab 1928 wurde er nach Plänen des Gartenbaudirektors Erwin Barth zu einer Grünanlage mit Spielplätzen und Lehrgärten umgeschaffen, wobei durch die Tieflage der Teilgärten und die Beibehaltung des Engelbeckens die Vergangenheit und die Gegenwart auf geniale Weise aufgehoben wurde – der Kanal blieb Schicksalslinie und Gedächtnis der Luisenstadt bis heute. Das Engelbecken wurde zum Schmuckteich mit Karpfenfang und Schlittschuhlaufen im Winter; der Plan, ein Volksbad einzurichten, ließ sich wegen des Widerstandes der katholischen Öffentlichkeit ebenso wenig realisieren wie die Idee eines tropischen Teiches, gespeist mit den warmen Abwässern der Kühlfabrik in der Köpenicker Straße – ein nostalgischer Hinweis blieb der Indische Brunnen im Rosengarten.

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