Das Café am Engelbecken
Foto: Archiv Bürgerverein

Auszug aus der Neuveröffentlichung “Klaus Duntze, Der Luisenstädtische Kanal; 2021”.


Ein Beitrag verfasst von Café-Betreiber Cheena Riefstahl:

KellerInnen aus 17 Nationen

Bei uns kellnern eine Techno-Lettin, ein spanischer Hip-Hopper und ein türkischer Fußballer - insgesamt sind es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 17 Nationen. Und in der Küche steht seit vier Jahren ein Flüchtling aus Afghanistan. Wenn das Team so bunt gemischt und meistens ebenso gut drauf ist, spiegelt sich das auch bei den Besuchern wider.

Wohlfühlen können sich die Besucher, weil wir ein offenes, einsehbar, ruhiges Tagescafé sind - mit Blick auf das Engelbecken und die gepflegte Parkanlage. Unser Publikum scheint nicht so homogen, wie in manchen Cafés und Kneipen in der Oranienstraße, wo sich eher gleich zu gleich gesinnt. Hier sitzt ein esoterischer Herr mit Laptop an einem Tisch und daneben eine Gruppe junger türkischer Frauen.

Durch neue Kita ganz in der Nähe kommen auch die Eltern gern hierher und werden Teil des Stammpublikums. Sonst scheinen sich in den vergangenen zehn oder eher fünf Jahren erhebliche Umschichtungen ergeben zu haben. Es wohnen jetzt mehr junge Menschen aus München oder aus Spanien und anderen europäischen Ländern hier. Sie gehören zur wohlhabenden Kategorie. Die eine oder andere Sprache zusätzlich hilft.

Aber auch die türkische Community aus der näheren und etwas weiteren Umgebung kommt gerne. Mein Kollege Akin Aydogan, mit dem ich das Café mache, und ich achten aber darauf, dass es international bleibt, dass wir nicht ethnisch zu eng werden und andere ausschließen. Vor allem aber gibt es jetzt sehr viel mehr Touristen. Sie sehen sich Kreuzberg an oder laufen den Mauerweg ab und kommen dann, um sich bei uns zu entspannen.

Unsicherer Anfang

Als wir 2005 angefangen haben, war das ganz anders. Wir durften ja zunächst nur temporäre Gebäude nutzen, also schick gemachte Container.

Das war technisch schwierig, aber auch, weil man keine klare Perspektive hat, sondern die Zukunft immer unter Vorbehalt steht. Allmählich wuchs das Zutrauen der Verwaltungen zu uns. Es hieß aber: "In den nächsten zehn Jahren wird hier nichts investiert. Berlin hat kein Geld." Das war ja damals so und man konnte sich gar nicht vorstellen, dass es einmal anders würde.

Dann kam aber die Verschönerung des Engelbeckens, es wurde ausgebaggert, Pergolen und Hecken wurden angelegt - das Engelbecken wurde allmählich zum Schmuckstück. Der Charakter änderte sich auch dadurch, dass es uns gab, sozusagen als Ort der sozialen Kontrolle.

Je schöner es wurde, je stärker der Tourismus zunahmen, desto mehr Besucher kamen. Das war ambivalent. Gut, weil wir mehr Gäste hatten. Schwierig, weil Vermüllung und auch Vandalismus zunahmen. Wir beginnen heute die Frühschicht mit eine großen Müllaktion. Dabei geht es uns noch gut, weil sich die Gärtner um den weiteren Bereich kümmern. Für die Gärtnerinnen und Gärtner sind wir auch ein beliebter Anlaufpunkt - auf alle Fälle unsere Toilette. Während Corona, als wir geschlossen hatten, brauchten sie eine Dixie-Toilette.

Kooperation mit den Ämtern

Sorgen macht uns der Vandalismus. Nachts kommen Menschen, schieben Tische zusammen, lassen ihre leeren Weinflaschen und den Müll liegen. Das machen wir dann eben weg. Aber dabei werden auch Setzlinge und ganze Hecken platt getreten.

Arme Gärtner, sie geben sich so viel Mühe! Und nachts werden mehrmals im Jahr Tische und Bänke ins Wasser geworfen. Eigentlich würden wir gerne in bequemere Bänke investieren. Das Risiko ist zu groß, dass sie zerstört oder geklaut werden. Mit dem Bezirksamt möchten wir gern besprechen, wie sich der Bereich des Cafés nachts besser schützen lässt, ohne dass es martialisch wirkt.

Manche Menschen denken ja, man verdient an so einem Café sagenhaft viel - besonders wenn man am Wochenende an einem Sommertag nachmittags guckt. Dann gerät jedoch außer Blick, dass wir mit den Jahreszeiten leben, mit den bewölkten Tagen und dem Regen.

Wir entwickeln uns ja zu Meteorologen. Mehrmals am Tag checken wir die Wetterberichte und vergleichen sie mit der Realität. Es geht um die absolut wetterabhängige Mitarbeiterplanung und auch um den Wareneinkauf. Die MitarbeiterInnen wollen auch planen können. Und am Donnerstag muss ich entscheiden, wie viel Kuchen wir für das Wochenende brauchen. Wenn der Wetterbericht sich irrt, stehen wir auf dem Schlauch.

Gut ist für uns der enge Kontakt zu den Behörden, die uns inzwischen verstehen, unser durchgängiges Engagement anerkennen und uns wohlgesonnen sind. Weil wir im Gegenzug auf die vorgaben des Bezirks eingehen und auf ToGo-Becher und Verpackungsmüll so weit wie möglich verzichten, um das Engelbecken sauber zu halten.

Cheena Riefstahl, Dezember 2020


Das "Café am Engelbecken" bei Google


luisenstaedtischer kanal cover 2021

Weitere Leseprobe zum Buch "Der Luisenstädtische Kanal"
Sehen und hören Sie unsere Online Lesung: "Als Hausbesetzerin vom Görli zum Tauthaus am Engelbecken" von Käthe Kruse als dauerhaft verfügbares Video.


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Persönlichkeiten aus der Luisenstadt: Georg Wertheim

Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Simone Ladwig-Winters 
Mittwoch 22. März 2023 um 20:00 Uhr 
Treffpunkt: Buchhandlung Moritzplatz im Aufbau Haus, Prinzenstraße 85, 10969 Berlin
 
Warenhaus Wertheim am Moritzplatz - 1914Georg Wertheim, 1854 in Stralsund geboren, eröffnete 1890 sein erstes Berliner Geschäft direkt am Moritzplatz. Schon bald entwickelte er in Zusammenarbeit mit dem Architekten Messel die Idee eines Warenhauses. In der Oranienstraße 53/54 wurde 1894 ein Gebäude errichtet, große Schaufenster lockten die KundInnen. Weitere Filialen folgten, auch ein riesiges Haus am Leipziger Platz. Am Moritzplatz öffnete 1913 ein moderner Neubau seine Pforten.
 

Georg Wertheim und seine Familie kannten als Juden antisemitische Angriffe. Die Taufe half wenig dagegen. Aber nachdem die Nazis 1933 an die Macht gelangt waren, wurde das Unternehmen immer heftiger attackiert. Der Name verschwand. Georg Wertheim selbst musste ausscheiden und emigrieren. Das Warenhaus am Moritzplatz wurde im Krieg zerstört - das Ende von Wertheim in der Luisenstadt.

 

Dr. Simone Ladwig-Winters: Expertin für deutsch- und jüdische Geschichte der Neuzeit, Hrsg. von "Anwalt ohne Recht. Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933" und Autorin von "Die Wertheims. Geschichte einer Familie".

Der Beginn des Rundfunks: Spuren der Radiogeschichte in der Luisenstadt

Vortrag von Dr. Andreas Splanemann
Mittwoch 8. Februar 2023 um 19:30 Uhr 
Treffpunkt: Stadtteilladen dialog 101, Köpenicker Str. 101, 10179 Berlin. U-Bahnhof Heinrich-Heine-Str.
 
Radio E82W von Huth Signalbau 1929Vor knapp 100 Jahren, am 29. Oktober 1923, wurde in Berlin der regelmäßige deutsche Unterhaltungsrundfunk gestartet. Das neue Radio begeisterte und interessierte das Publikum. Bereits ein Jahr später fand in Berlin die erste Große Deutsche Funkausstellung statt. In den Anfangsjahren des Radios war der weitaus größte Teil der deutschen Funkindustrie in Berlin beheimatet. Viele Unternehmen hatten in Kreuzberg und Mitte, so auch in der Köpenicker Straße in den 1920er Jahren ihren Sitz. Mit seinem Vortrag lädt Andreas Splanemann die Zuhörenden zu einer Zeitreise ins Jahr 1923 ein. Er schildert, mit welch einfachen Mitteln der Hörfunk in Berlin begann und wird uns u.a. Adele Proesler vorstellen, die als „Funkprinzessin“ zu den ersten und sehr wenigen Frauen des deutschen Rundfunks gehörte. Und immer wieder führen uns Wege in die Luisenstadt, wo es viele Anknüpfungspunkte zum Radio gab.

 

Dr. Andreas Splanemann: Historiker, Biologe und Radiojournalist, forschte u.a. zu Themen der Berliner Geschichte; seit 1992 Pressesprecher der ÖTV Brandenburg (seit 2001 ver.di-Landesbezirk Berlin-Brandenburg).

Es ist ein beglückendes Gefühl, Bücher machen zu können …

Gespräch mit Wieland Giebel, Leiter des Berlin Story Verlags, am 23.6.2021

BVL:    Unter dem Dach Berlin Story sind vielfältige Aktivitäten zur Geschichte Berlins zu finden: Seit 1997 bis 2016 Buchladen und Museum mit diversen Ausstellungen an verschiedenen Standorten Unter den Linden, seit 2014 der international bekannte Bunker mit Museum in Kreuzberg sowie der Berlin Story Verlag. Er hat seit 2015 seinen Sitz in der Luisenstadt, am Leuschnerdamm 7 mit Blick auf das Engelbecken.

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Video: Die Allianz Neue Waisenbrücke fordert die Fertigstellung bis 2025

Der Brückentag am 14. Mai 2021 – organisiert durch die Allianz Neue Waisenbrücke – wurde nun filmisch dokumentiert.

Im Youtube Channel des Stadtmuseums ist das 3:35 Minuten kurze Video veröffentlicht und trägt den Titel "Neue Waisenbrücke – Berlins historische Quartiere wieder verbinden":

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Verkehrsplanung für die Oranienstraße jetzt in diesem Film

Abbildung: Screenshot Youtube

Die planende STATTBAU GmbH hat im Namen und im Auftrag des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg einen Film zur Verkehrsplanung in der Oranienstraße online gestellt.

Der Beitrag ist Teil des umfänglichen Beteiligungsverfahrens und soll die daraus entwickelten Planungsergebnisse vorstellen.

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Fertigstellung der Laterne auf St. Thomas

Bild: Für Pfarrer Christoph Heil war eine seiner ersten Aufgaben die Segnung des Turmkreuzes beim Aufsetzen auf die Laterne am 31. März 2021 - in 55 Metern Höhe (Foto: Claudia Hertel)Weihnachts- und Winterpause erzwangen die Unterbrechung der Bauarbeiten. Die Wetterplanen wurden erst Ende Februar 2021 gelüftet für die Wiederaufnahme der Maurerarbeiten. Sie müssen allerdings zu jedem Feierabend erneut festgezurrt werden, weil immer wieder Frostnächte drohen.

Erst der März lässt längere Arbeitsperioden zu. Das sichtbare Sockelmauerwerk schließt in 3 Metern Höhe in einem dickeren Ring von Formsteinen ab. Hier endet der zweischalige Aufbau des Mauerwerks, das nun einschalig weiter aufgeführt wird.

Der Formsteinring bildet einen wulstförmigen Verzierungsring, der an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 1,68 Meter aufweist. Die Formsteine sind speziell nach den abgebrochenen Originalen gebrannt worden. Auch die zur vertikalen Verzierung hochgeführten Halbrundsteine sind nachgefertigt und den Originalen gleich. Sie bilden 12 aufstrebende Verzierungslinien, die die konische Gestaltung des Schaftes betonen.

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