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Was lange währt ...


BVL: Der Neubau der Waisenbrücke ist schon seit etlichen Jahren in Stadtplanungsunterlagen vorgesehen. Du hast mittlerweile Erfahrung mir der Berliner Verwaltung. Für wie realistisch hältst du es, dass ein Brückenneubau tatsächlich noch bis 2025 erfolgt bzw. zumindest begonnen wird? Gehst du davon aus, dass du noch als Museumsleiter über eine neue Waisenbrücke gehen kannst?

P.S.: Na ja, es ist niemals zu spät. Als ich 2016 anfing, habe ich mit Frau Lüscher im Nikolaiviertel Mittag gegessen und ihr gleich gesagt: "Frau Lüscher, wir brauchen die Waisenbrücke zurück." Sie schaut mich an und sagt. "Ja, das ist eine sympathische Idee, aber bei meinem Kollegen liegt auf dem Schreibtisch ein Riesenstapel von maroden Brücken." Das sind Brücken, die sind sozusagen systemrelevant.

Die Aussage war, da müssen sie Geduld haben. Sie sind nicht im oberen Teil dieses Stapels, sie werden sehr wahrscheinlich eher unten in diesem Stapel abgelegt. Das habe ich auch verstanden, und dass es ein schwieriger Kampf um Priorität wird.


Waisenbruecke Maerkisches Museum 2021 300

Blick über die Spree auf Märkisches Museum, 2013
(Foto: Jochen Wermann ©Stadtmuseum Berlin)


Wenn es uns gelingt, immer mehr Leute dafür zu interessieren, gibt es vielleicht doch eine Ausnahme. Und dafür brauchen wir solche Aktionen, wie wir uns ausgedacht haben. Also die große Freiluftveranstaltung wird vertagt, aber es ist schön, dass sich schon so viele unterschiedliche Menschen gefunden haben, das zu unterstützen. Ich werde es mit Sicherheit mitmachen in meinem Leben, aber ob es zur fertigen Renovierung des Märkischen Museums 2025/26 so weit ist, das bezweifle ich.

Es muss kein komplizierter Bau werden. Wir müssen darauf achten, dass es ein Blickfang wird, dass es spannend wird, es soll auch funktionell sein, und es muss sicher sein. Also eine Brücke, wo man nicht in Gefahr gerät, weil sie vielleicht zu steil oder zu offen ist und dass man nicht ins Wasser fällt. Auf die Brandschutz- und Sicherheitsmaßnahmen müssen wir gut achten, sonst gibt es eine ewige Genehmigungsproblematik. Also man muss einerseits pragmatisch bleiben, und andererseits muss man kreativ sein.

Aber es darf es auch keine teure Brücke werden. Sie ist ja nicht für den Verkehr bestimmt, sondern für Passanten und Fahrräder. Es gibt die Mühlendammbrücke, die Jannowitzbrücke, dort wird für sehr viel Geld für den Autoverkehr renoviert. Wir wollen es anders machen, wir wollen nicht, dass es der Stadt eine Stange Geld kostet und noch dazu nicht schön aussieht. Wir wollen mit Kreativen, mit modernen Denkern, die neues Material natürlicher Herkunft entwickelt haben, aus Holz oder aus einem anderen nachhaltigen Material …

BVL: Bambus wäre auch eine Möglichkeit.

P.S.: Genau, Bambus. Die Erbauer dieser Art von Brücken sind schlaue und fachtechnisch gute Spezialist*innen. Natürlich muss alles durch alle Genehmigungshürden, die man sich denken kann, kommen.

Aber diese Brücke soll auch ein Statement sein, dass es nicht so kostspielig und trotzdem sehr schön und nachhaltig entwickelt werden kann. Dazu brauchen wir nicht die traditionellen großen Bauunternehmen, dazu brauchen wir Modernisten aus aller Welt, die aus einem neuartigen Denken und neuem Baumaterial Sachen entwickeln. Wenn das gelingt, hat man auch ein Modell geschaffen, das für sehr viele andere Bauten für die Stadt oder auch für die Welt von großem Nutzen sein kann.

Bambus ist ein gutes Beispiel. Auf Bali habe ich eine internationale Schule besucht "The Green School" (für mehr Informationen:www.GreenSchool.org). Die ganze Schule war aus Bambus gebaut. Unwahrscheinlich schön, geschickt und praktisch. Und alles war mit viel weniger Kosten verbunden, als normale Bauten mit üblichen Baumaterialien kosten würden. Dazu noch sehr nachhaltig. Solche Pläne brauchen wir.

 

Einbringung der Röhrichtinseln

Arbeiter beim Zusammenbau der Röhrichtinseln am Fr. 13. 08. im Engelbecken. Foto: P. Falckenberg

Bürgervereien wählt neuen Vorstand

Neuer Vorstand Bürgerverein Luisenstadt e.V.: Peter Schwoch, Ralph Rönsch und Petra Falkenberg; Foto: Wieland Giebel
Am 12. August 2021 wurde ein neuer Vorstand in der St. Thomas Kirche gewählt. Neuer Vorsitzender wurde Peter Schwoch, Stellvertreterin Petra Falkenberg. Neuer und alter Schatzmeister ist Ralph Rönsch. Ronald Pieper stand aus persönlichen Grunden nicht mehr für eine Vorstandstätigkeit zur Verfügung. Wir wünschen dem neuen Vorstand alles Gute!
Lesen Sie hier auch den Tätigkeitsbericht (PDF)

Es ist ein beglückendes Gefühl, Bücher machen zu können …

Gespräch mit Wieland Giebel, Leiter des Berlin Story Verlags, am 23.6.2021

BVL:    Unter dem Dach Berlin Story sind vielfältige Aktivitäten zur Geschichte Berlins zu finden: Seit 1997 bis 2016 Buchladen und Museum mit diversen Ausstellungen an verschiedenen Standorten Unter den Linden, seit 2014 der international bekannte Bunker mit Museum in Kreuzberg sowie der Berlin Story Verlag. Er hat seit 2015 seinen Sitz in der Luisenstadt, am Leuschnerdamm 7 mit Blick auf das Engelbecken.



In unserem Newsletter geht es um Leben und Arbeiten in der Luisenstadt, daher steht der Verlag im Mittelpunkt. Bis 2015 haben die im Verlag tätigen unter einem Dach mit den Mitarbeiter*innen des Museums und des Buchladens Unter den Linden gearbeitet. Wie kam es zum Wechsel des Verlagssitzes und warum ging er an den Leuschnerdamm?

W.G.:    Der Wechsel kam zustande, weil die Räume Unter den Linden 40 kurz vor der Kündigung standen, das Haus wurde verkauft und wir mussten raus. Zum Leuschnerdamm gingen wir, weil ich im gleichen Haus wohne und die Räume hier bereits für den Verlag vorbereitet waren. Es war alles schon verkabelt und eingerichtet, so eine Art Notbüro, weil vorauszusehen war, dass es Unter den Linden nicht weitergeht.

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Interview mit Kisch & Co

„Wir wollen hier bleiben…“ - Wie geht es weiter mit Kisch & Co. und der Oranienstraße?

Foto: Matthias Reichelt

Interview mit Thorsten Willenbrock am 21.5.2021

BVL: Vor einem Monat, am 22.4.2021, hat das Landgericht Berlin Kisch & Co zur Räumung eurer Buchhandlung in der Oranienstraße 25 verurteilt. Dagegen konnte innerhalb eines Monats Berufung eingelegt werden. Habt ihr das getan?

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Gentrifizierung in der Luisenstadt am Beispiel der Buchhandlung Kisch & Co.

Der Begriff Gentrifizierung kommt aus dem Englischen und wird seit den 1960er Jahren zur Charakterisierung von Veränderungsprozessen in städtischen Bereichen benutzt. Gegen Veränderung als solche ist erst einmal nichts einzuwenden, es kommt aber darauf an, in welche Richtung sie geht und wer letztlich davon profitiert.

Das Deutsche Institut für Urbanistik erläutert den Begriff Gentrifizierung und die damit einhergehenden Prozesse eingängig und gut nachvollziehbar: "Abgeleitet vom englischen Ausdruck "gentry" (= niederer Adel) wird .. (Gentrifizierung) zur Charakterisierung von Veränderungsprozessen in Stadtvierteln verwendet und beschreibt den Wechsel von einer statusniedrigeren zu einer statushöheren (finanzkräftigeren) Bewohnerschaft, der oft mit einer baulichen Aufwertung, Veränderungen der Eigentümerstruktur und steigenden Mietpreisen einhergeht.

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Leseprobe: "Das Taut-Haus am Engelbecken, ein Denkmal"

 

Das Taut-Haus im Jahr 2011 als Baustelle - Foto: Archiv Bürgerverein

Text: Elisabeth Masé

1927 beauftragte die Zentralverwaltung des Deutschen Verkehrsbundes den Architekten Bruno Taut mit dem Bau eines imposanten Bürogebäudes am Engeldamm/Ecke Michaelkirchplatz. Es wurde 1932 vom Architekten Max Taut, Bruno Tauts Bruder, und dem Architekten Franz Hoffmann in Form eines viergeschossigen Rechtecks mit zwei umschlossenen Innenhöfen fertiggestellt.

Bruno Taut, ein enthusiastischer Verehrer der Russischen Revolutionsarchitektur, lebte zu diesem Zeitpunkt bereits in Moskau und richtete für die dortige Stadtverwaltung ein Büro für Neubauten ein. Doch aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten und enttäuscht von der sowjetischen Architekturentwicklung kehrte er 1933 nach Berlin zurück, wo er, kaum angekommen, vor den Nationalsozialismus nach Japan fliehen musste.

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