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Waisenbrücke als belebendes und bereicherndes Element


Der andere Grund ist, es ist ein städtisches Baukonzept. Man braucht spannende Elemente in der Stadt, wie etwa die Oberbaumbrücke. Wir sollten etwas ganz Besonderes dahin bekommen, was einen Anlass gibt, um in diese Richtung zu gehen, die Stadt wieder zu erkunden.

Wenn man die Waisenstraße weiterläuft, kommt man an die alte Stadtmauer, man kommt "Zur letzten Instanz", man geht entlang des Gerichtsgebäudes. Man hat eine schöne Achse. Die Waisenbrücke wäre in östliche Richtung auch ein wunderbarer Radweg Richtung Alexanderplatz. Diese Brücke erschließt nicht nur diesen Stadtteil und das Märkische Museum käme dadurch wieder in den Blick, sie verbindet auch schöne Teile der Stadt, die noch existieren und umgeht sozusagen die weniger schönen Gegenden.

Früher dachte man, die Stadt muss für Autos gemacht werden. Wir wollen einen Umbruch, hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln, hin zum Spazieren und natürlich Fahrradwege. Diese Brücke kann dafür ein Knotenpunkt sein, ein Verteiler.

Entlang des Historischen Hafens, weiter Richtung Fischerinsel und dann geht es zum Humboldt-Forum oder zum Gertraudenmarkt mit dem House of One und demnächst dem Archäologischen Haus am Petri Platz und weiter entlang der Breite Straße. Diese Brücke kann eine wichtige Funktion haben.

Wenn man es entspannend mag, hält man an auf der Waisenbrücke. Es gab früher kleine Seitensprünge im Brückenbau, da konnte man verweilen, konnte ruhig dastehen und ins Wasser schauen, konnte die Stadt überblicken.


Waisenbruecke Marinehaus Maerkisches Museum 300

Städtisches Leben an der Waisenbrücke
(Abbildung: ©Stadtmuseum Berlin)


Diese neue Brücke sollte dann nicht nur ein Durchgangsweg sein, eine eilige Verbindung von A nach B. Sie soll auch die Leute zum Verweilen einladen, weil es etwas zu sehen gibt, dass man sich etwas erzählt. Es ist nicht nur eine Brücke ist als Infrastruktur, sondern auch als historischer Erzählungsmoment.

Ich freue mich darauf, dass diese Brücke die Menschen mal kurz festhält, wenn sie als Touristen oder als Stadtwanderer unterwegs sind. Es muss eine Brücke sein, wo man denkt, hier halte ich mal an. Dann sieht man das schöne Märkische Museum, die schönen Bauten an der Spree, man sieht bis zur Oberbaumbrücke. Also es wird ein schöner Ort sein. Ich denke, die Stadt braucht es, das Märkische Museum braucht es, der Köllnische Park braucht es.

Aber angefangen hat es eigentlich damit, dass ich dachte, ich werde nicht ein Museum renovieren für nur wenige Besucher, die dann kommen. Es braucht dafür auch einen zentralen Ort. Die Brücke macht aus dieser Umgebung einen zentralen Ort, mehr als das Märkische Museum es allein kann.

BVL: Die Brücke würde dann zum Flanieren und zum Verweilen einladen.

P.S.: Richtig. Als ich das erste Mal damit konfrontiert wurde, mich dafür einzusetzen, dachte ich, oh Gott, noch so eine große Aufgabe. Aber dann habe ich Fotos gesehen, wie es früher dort aussah und dachte, ja schau mal, die Brücke war ein Teil des Konzepts von Stadt. Das Märkische Museum stand nicht allein, es war ein Stadtteil, war ein zentraler Ort, so wie ein Rathaus in einer Kleinstadt.

BVL: Ja, es ist heute doch ziemlich isoliert. Wir gehen oft dort spazieren und denken, wie schön wäre hier eine kleine Brücke. Man könnte schnell rüber auf die andere Seite und dort weiter gehen, in den alten Teil von Berlin und wieder zurück. Der Blick dort am Wasser ist auch wunderbar, egal, in welche Richtung.

 

Einbringung der Röhrichtinseln

Arbeiter beim Zusammenbau der Röhrichtinseln am Fr. 13. 08. im Engelbecken. Foto: P. Falckenberg

Bürgervereien wählt neuen Vorstand

Neuer Vorstand Bürgerverein Luisenstadt e.V.: Peter Schwoch, Ralph Rönsch und Petra Falkenberg; Foto: Wieland Giebel
Am 12. August 2021 wurde ein neuer Vorstand in der St. Thomas Kirche gewählt. Neuer Vorsitzender wurde Peter Schwoch, Stellvertreterin Petra Falkenberg. Neuer und alter Schatzmeister ist Ralph Rönsch. Ronald Pieper stand aus persönlichen Grunden nicht mehr für eine Vorstandstätigkeit zur Verfügung. Wir wünschen dem neuen Vorstand alles Gute!
Lesen Sie hier auch den Tätigkeitsbericht (PDF)

Es ist ein beglückendes Gefühl, Bücher machen zu können …

Gespräch mit Wieland Giebel, Leiter des Berlin Story Verlags, am 23.6.2021

BVL:    Unter dem Dach Berlin Story sind vielfältige Aktivitäten zur Geschichte Berlins zu finden: Seit 1997 bis 2016 Buchladen und Museum mit diversen Ausstellungen an verschiedenen Standorten Unter den Linden, seit 2014 der international bekannte Bunker mit Museum in Kreuzberg sowie der Berlin Story Verlag. Er hat seit 2015 seinen Sitz in der Luisenstadt, am Leuschnerdamm 7 mit Blick auf das Engelbecken.



In unserem Newsletter geht es um Leben und Arbeiten in der Luisenstadt, daher steht der Verlag im Mittelpunkt. Bis 2015 haben die im Verlag tätigen unter einem Dach mit den Mitarbeiter*innen des Museums und des Buchladens Unter den Linden gearbeitet. Wie kam es zum Wechsel des Verlagssitzes und warum ging er an den Leuschnerdamm?

W.G.:    Der Wechsel kam zustande, weil die Räume Unter den Linden 40 kurz vor der Kündigung standen, das Haus wurde verkauft und wir mussten raus. Zum Leuschnerdamm gingen wir, weil ich im gleichen Haus wohne und die Räume hier bereits für den Verlag vorbereitet waren. Es war alles schon verkabelt und eingerichtet, so eine Art Notbüro, weil vorauszusehen war, dass es Unter den Linden nicht weitergeht.

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Interview mit Kisch & Co

„Wir wollen hier bleiben…“ - Wie geht es weiter mit Kisch & Co. und der Oranienstraße?

Foto: Matthias Reichelt

Interview mit Thorsten Willenbrock am 21.5.2021

BVL: Vor einem Monat, am 22.4.2021, hat das Landgericht Berlin Kisch & Co zur Räumung eurer Buchhandlung in der Oranienstraße 25 verurteilt. Dagegen konnte innerhalb eines Monats Berufung eingelegt werden. Habt ihr das getan?

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Gentrifizierung in der Luisenstadt am Beispiel der Buchhandlung Kisch & Co.

Der Begriff Gentrifizierung kommt aus dem Englischen und wird seit den 1960er Jahren zur Charakterisierung von Veränderungsprozessen in städtischen Bereichen benutzt. Gegen Veränderung als solche ist erst einmal nichts einzuwenden, es kommt aber darauf an, in welche Richtung sie geht und wer letztlich davon profitiert.

Das Deutsche Institut für Urbanistik erläutert den Begriff Gentrifizierung und die damit einhergehenden Prozesse eingängig und gut nachvollziehbar: "Abgeleitet vom englischen Ausdruck "gentry" (= niederer Adel) wird .. (Gentrifizierung) zur Charakterisierung von Veränderungsprozessen in Stadtvierteln verwendet und beschreibt den Wechsel von einer statusniedrigeren zu einer statushöheren (finanzkräftigeren) Bewohnerschaft, der oft mit einer baulichen Aufwertung, Veränderungen der Eigentümerstruktur und steigenden Mietpreisen einhergeht.

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Leseprobe: "Das Taut-Haus am Engelbecken, ein Denkmal"

 

Das Taut-Haus im Jahr 2011 als Baustelle - Foto: Archiv Bürgerverein

Text: Elisabeth Masé

1927 beauftragte die Zentralverwaltung des Deutschen Verkehrsbundes den Architekten Bruno Taut mit dem Bau eines imposanten Bürogebäudes am Engeldamm/Ecke Michaelkirchplatz. Es wurde 1932 vom Architekten Max Taut, Bruno Tauts Bruder, und dem Architekten Franz Hoffmann in Form eines viergeschossigen Rechtecks mit zwei umschlossenen Innenhöfen fertiggestellt.

Bruno Taut, ein enthusiastischer Verehrer der Russischen Revolutionsarchitektur, lebte zu diesem Zeitpunkt bereits in Moskau und richtete für die dortige Stadtverwaltung ein Büro für Neubauten ein. Doch aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten und enttäuscht von der sowjetischen Architekturentwicklung kehrte er 1933 nach Berlin zurück, wo er, kaum angekommen, vor den Nationalsozialismus nach Japan fliehen musste.

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