Beitragsseiten


Unglücksort Wasserthorstr. 27


Auch das Nachbargebäude auf der anderen Seite des Unglücksspeichers, das Haus Nr. 27, brach im Anschluß an die Katastrophe noch zusammen. Ließ wenigstens dieser Umstand auf statische Mängel schließen, so wiegelte eine polizeiliche Untersuchung doch ab: Ursache des Unglücks seien unsachgemäße Lagerung und Überlastung der Kornböden im Speicher gewesen.

Schon wenig mehr als drei Wochen später, am 20. Oktober, durcheilte um die Mittagsstunde eine neue Schreckensnachricht von einem Hauseinsturz die Stadt:

In der Luisenstadt war ein ganzes Wohn- und Gewerbegebäude vom Dach bis zu den Grundmauern zusammengebrochen und hatte Dutzende von Menschen unter sich begraben. Es handelte sich um das Hinterhaus und einen angrenzenden Seitenflügel des Hauses Wasserthorstr. 27. Dort hatte es vormittags zwischen 10 Uhr und 10.15 Uhr zweimal im Mauerwerk gekracht, und nach dem zweiten Krachen war das Quergebäude, wie von einer Riesenfaust getroffen, vom Dach her unter Mitnahme eines großen Teils des Seitenflügels eingestürzt.

In dem fünfstöckigen Gebäude waren zu diesem Zeitpunkt 62 Arbeitende anwesend gewesen, und in dem angrenzenden Seitengebäude - in dem der Ein- und Ausgang sowie das Treppenhaus des Quergebäudes lagen - hielt sich eine unbekannte Zahl Frauen und Kinder auf.

Arbeiter aus benachbarten Werkstätten waren die ersten Helfer am Unglücksort, dann eilten auch Dragoner des Gardedragoner-Regiments herbei, dessen II. Schwadron ihre Kaserne in der unweit gelegenen Alexandrinenstraße hatte.

Sehr schnell war aber ebenfalls, wie von den Berlinern seit ihrer Einrichtung als professionelle Institution 1851 gewohnt, die Feuerwehr zur Stelle. Unter der persönlichen Aufsicht ihres Branddirektors Carl Ludwig Scabell war sie 58 Stunden hindurch im Einsatz, um die Trümmer beiseitezuräumen, Tote zu bergen, Verschüttete aufzuspüren und zu befreien, Verletzte zu versorgen und ins Krankenhaus Bethanien zu transportieren.

Am Ende dieser 58 Stunden lag eine traurige Bilanz vor: 23 Tote waren zu zählen, und von den 37 geborgenen Verletzten schwebten einige in Lebensgefahr; tatsächlich erhöhte sich die Gesamtzahl der Todesopfer innerhalb der nächsten drei Wochen noch auf 28. Dabei wurde die 7-köpfige Familie des Tischlermeisters Mushacke, der seine Werkstatt im obersten Stockwerk des Quergebäudes und seine Wohnung unmittelbar daneben im Seitenflügel gehabt hatte, bis auf den 20-jährigen Sohn ausgelöscht.

Wie bei solchen Katastrophen üblich, lagen wunderbare Rettungen und ausgesprochen tragische Todesfälle dicht beisammen: so war der einzige Überlebende der Mushack'schen Familie vom obersten Stockwerk durch die Luft gewirbelt worden, aber auf einem Haufen Hobelspäne derart weich gelandet, daß er unverletzt blieb.

Dagegen verlor der Gelbgießermeister Jacob seine 6-jährige Tochter, die ihm sein Frühstück gebracht hatte und anschließend noch auf dem Hof spielte, wo sie von Trümmergebälk erschlagen wurde, während der Vater sich aus einer Schankstube im Vorderhaus einen Krug Bier besorgte, um das Frühstück abzurunden.

Einbringung der Röhrichtinseln

Arbeiter beim Zusammenbau der Röhrichtinseln am Fr. 13. 08. im Engelbecken. Foto: P. Falckenberg

Bürgervereien wählt neuen Vorstand

Neuer Vorstand Bürgerverein Luisenstadt e.V.: Peter Schwoch, Ralph Rönsch und Petra Falkenberg; Foto: Wieland Giebel
Am 12. August 2021 wurde ein neuer Vorstand in der St. Thomas Kirche gewählt. Neuer Vorsitzender wurde Peter Schwoch, Stellvertreterin Petra Falkenberg. Neuer und alter Schatzmeister ist Ralph Rönsch. Ronald Pieper stand aus persönlichen Grunden nicht mehr für eine Vorstandstätigkeit zur Verfügung. Wir wünschen dem neuen Vorstand alles Gute!
Lesen Sie hier auch den Tätigkeitsbericht (PDF)

Es ist ein beglückendes Gefühl, Bücher machen zu können …

Gespräch mit Wieland Giebel, Leiter des Berlin Story Verlags, am 23.6.2021

BVL:    Unter dem Dach Berlin Story sind vielfältige Aktivitäten zur Geschichte Berlins zu finden: Seit 1997 bis 2016 Buchladen und Museum mit diversen Ausstellungen an verschiedenen Standorten Unter den Linden, seit 2014 der international bekannte Bunker mit Museum in Kreuzberg sowie der Berlin Story Verlag. Er hat seit 2015 seinen Sitz in der Luisenstadt, am Leuschnerdamm 7 mit Blick auf das Engelbecken.



In unserem Newsletter geht es um Leben und Arbeiten in der Luisenstadt, daher steht der Verlag im Mittelpunkt. Bis 2015 haben die im Verlag tätigen unter einem Dach mit den Mitarbeiter*innen des Museums und des Buchladens Unter den Linden gearbeitet. Wie kam es zum Wechsel des Verlagssitzes und warum ging er an den Leuschnerdamm?

W.G.:    Der Wechsel kam zustande, weil die Räume Unter den Linden 40 kurz vor der Kündigung standen, das Haus wurde verkauft und wir mussten raus. Zum Leuschnerdamm gingen wir, weil ich im gleichen Haus wohne und die Räume hier bereits für den Verlag vorbereitet waren. Es war alles schon verkabelt und eingerichtet, so eine Art Notbüro, weil vorauszusehen war, dass es Unter den Linden nicht weitergeht.

Weiterlesen ...

Video: Die Allianz Neue Waisenbrücke fordert die Fertigstellung bis 2025

Der Brückentag am 14. Mai 2021 – organisiert durch die Allianz Neue Waisenbrücke – wurde nun filmisch dokumentiert.

Im Youtube Channel des Stadtmuseums ist das 3:35 Minuten kurze Video veröffentlicht und trägt den Titel "Neue Waisenbrücke – Berlins historische Quartiere wieder verbinden":

Weiterlesen ...

Verkehrsplanung für die Oranienstraße jetzt in diesem Film

Abbildung: Screenshot Youtube

Die planende STATTBAU GmbH hat im Namen und im Auftrag des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg einen Film zur Verkehrsplanung in der Oranienstraße online gestellt.

Der Beitrag ist Teil des umfänglichen Beteiligungsverfahrens und soll die daraus entwickelten Planungsergebnisse vorstellen.

Weiterlesen ...

Fertigstellung der Laterne auf St. Thomas

Bild: Für Pfarrer Christoph Heil war eine seiner ersten Aufgaben die Segnung des Turmkreuzes beim Aufsetzen auf die Laterne am 31. März 2021 - in 55 Metern Höhe (Foto: Claudia Hertel)Weihnachts- und Winterpause erzwangen die Unterbrechung der Bauarbeiten. Die Wetterplanen wurden erst Ende Februar 2021 gelüftet für die Wiederaufnahme der Maurerarbeiten. Sie müssen allerdings zu jedem Feierabend erneut festgezurrt werden, weil immer wieder Frostnächte drohen.

Erst der März lässt längere Arbeitsperioden zu. Das sichtbare Sockelmauerwerk schließt in 3 Metern Höhe in einem dickeren Ring von Formsteinen ab. Hier endet der zweischalige Aufbau des Mauerwerks, das nun einschalig weiter aufgeführt wird.

Der Formsteinring bildet einen wulstförmigen Verzierungsring, der an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 1,68 Meter aufweist. Die Formsteine sind speziell nach den abgebrochenen Originalen gebrannt worden. Auch die zur vertikalen Verzierung hochgeführten Halbrundsteine sind nachgefertigt und den Originalen gleich. Sie bilden 12 aufstrebende Verzierungslinien, die die konische Gestaltung des Schaftes betonen.

Weiterlesen ...