Beitragsseiten

Da die Mietverträge allgemein mit Quartalsende ausliefen, waren um diese Zeit immer Tausende von Wohnungsuchenden mit ihren Habseligkeiten auf den Straßen unterwegs - ein Brauch, dem die davon Betroffenen wenig Geschmack abgewinnen konnten:

1861 wechselten 44,7% aller Berliner die Wohnung, 1862 45,6% und 1863 49,6%.

Weil die gut situierten Schichten weit besser an ihren Wohnungen festhalten konnten, wird der Anteil der sozialen Unterschichten erheblich über diesen Durchschnittszahlen gelegen haben.

Die bei den Umzügen entstehenden unzähligen Streitereien zwischen Mietern und Vermietern beschäftigten zunehmend die zuständigen Gerichte.

Schon vorbeugend wurden darum erstmals zum 1. Juli 1863 vom Stadtgericht für die ersten drei Tage jeden neuen Quartals eine aus zwei Richtern bestehende "Ständige Deputation zur Schlichtung der in Umzugstagen vorfallenden Mietstreitigkeiten" eingesetzt.


Wegen eisernem Ofen - Kündigung und Zwangsräumung

Welche Art von Hausbesitzerklagen gegen einen Mieter das Stadtgericht zu verhandeln hatte, belegt der Prozeß des Schneidermeisters Steffen, Besitzer des Hauses Oranienstraße 64 (dicht am Moritzplatz), gegen den gescheiterten Buchbinder und nunmehrigen Restaurateur Schulze.

Letzterer hatte am 1. April 1862 Erdgeschoß und erste Etage in dem Haus für eine Jahresmiete von 400 Talern für fünf Jahre gemietet - wobei er aber schon ein Jahr später 450 Taler zahlen mußte.

Im Mai 1863 klagte der Hauswirt gegen Schulze, weil dieser in seinen Räumen eine Gastwirtschaft mit Tanzsaal eingerichtet hatte, Wäsche in der Wohnung trocknete, einen Hund hielt, Tonnen im Hausflur lagerte, einen Kochherd durch einen Kochapparat und einen Kachelofen durch einen eisernen Ofen ersetzt hatte.

Das Stadtgericht fand in dem Mietvertrag allerdings nichts, was dem Schulze verboten sei - mit Ausnahme des Aufstellens eines eisernen Ofens, was im Mietvertrag ausdrücklich untersagt war. Dieses Verbrechen des Schulze qualifizierte den Hausbesitzer, nunmehr gerichtlich abgesegnet, seinem Mieter zum nächsten Quartalsende zu kündigen.

Gastwirt Schulze gedachte, aus dem Dilemma noch möglichst viel herauszuholen und schmückte am Montag, dem 29. Juni, seine Fenster mit einem Plakat "Warnung! Wegen Aufstellung eines eisernen Ofens in meiner Wohnung ist mein Lokal durch Exmission geschlossen. A. Schulze".

Die interessierte Öffentlichkeit wurde so mit der baldigen Einstellung des Ausschanks bekannt gemacht. Der einsetzende Andrang der Kundschaft und der enorm steigende Umsatz an Gerstensaft veranlaßten Schulze am nächsten Tag, auch Plakate an Litfaßsäulen in benachbarten Stadtteilen anzuschlagen, in denen er den Tatbestand wiederholte, nähere Belehrung über die Konsequenz der Aufstellung eiserner Öfen allen Besuchern seines Lokals ankündigte und die öffentliche Mitteilung seiner neuen Adresse bei Wiedereröffnung seines Etablissements an anderer Stelle versprach.

Am selben Tag begann der Abtransport von Möbeln aus der Schulzeschen Wohnung, was vom zahlreichen Gaststättenpublikum mit Unmut und beim Wegschaffen des inkriminierten eisernen Ofens gar mit Gejohle quittiert wurde. Hatten schon am Montag die Gäste den Hauswirt mit höhnischen Zurufen bedrängt, so daß er vor Angst die Polizei hatte kommen lassen - die dann erfolgreich "säuberte" -, so wurde jetzt in des Hauswirts Wohnung eingedrungen, wurden Möbel und Ofen zerschlagen.

Einbringung der Röhrichtinseln

Arbeiter beim Zusammenbau der Röhrichtinseln am Fr. 13. 08. im Engelbecken. Foto: P. Falckenberg

Bürgervereien wählt neuen Vorstand

Neuer Vorstand Bürgerverein Luisenstadt e.V.: Peter Schwoch, Ralph Rönsch und Petra Falkenberg; Foto: Wieland Giebel
Am 12. August 2021 wurde ein neuer Vorstand in der St. Thomas Kirche gewählt. Neuer Vorsitzender wurde Peter Schwoch, Stellvertreterin Petra Falkenberg. Neuer und alter Schatzmeister ist Ralph Rönsch. Ronald Pieper stand aus persönlichen Grunden nicht mehr für eine Vorstandstätigkeit zur Verfügung. Wir wünschen dem neuen Vorstand alles Gute!
Lesen Sie hier auch den Tätigkeitsbericht (PDF)

Es ist ein beglückendes Gefühl, Bücher machen zu können …

Gespräch mit Wieland Giebel, Leiter des Berlin Story Verlags, am 23.6.2021

BVL:    Unter dem Dach Berlin Story sind vielfältige Aktivitäten zur Geschichte Berlins zu finden: Seit 1997 bis 2016 Buchladen und Museum mit diversen Ausstellungen an verschiedenen Standorten Unter den Linden, seit 2014 der international bekannte Bunker mit Museum in Kreuzberg sowie der Berlin Story Verlag. Er hat seit 2015 seinen Sitz in der Luisenstadt, am Leuschnerdamm 7 mit Blick auf das Engelbecken.



In unserem Newsletter geht es um Leben und Arbeiten in der Luisenstadt, daher steht der Verlag im Mittelpunkt. Bis 2015 haben die im Verlag tätigen unter einem Dach mit den Mitarbeiter*innen des Museums und des Buchladens Unter den Linden gearbeitet. Wie kam es zum Wechsel des Verlagssitzes und warum ging er an den Leuschnerdamm?

W.G.:    Der Wechsel kam zustande, weil die Räume Unter den Linden 40 kurz vor der Kündigung standen, das Haus wurde verkauft und wir mussten raus. Zum Leuschnerdamm gingen wir, weil ich im gleichen Haus wohne und die Räume hier bereits für den Verlag vorbereitet waren. Es war alles schon verkabelt und eingerichtet, so eine Art Notbüro, weil vorauszusehen war, dass es Unter den Linden nicht weitergeht.

Weiterlesen ...

Video: Die Allianz Neue Waisenbrücke fordert die Fertigstellung bis 2025

Der Brückentag am 14. Mai 2021 – organisiert durch die Allianz Neue Waisenbrücke – wurde nun filmisch dokumentiert.

Im Youtube Channel des Stadtmuseums ist das 3:35 Minuten kurze Video veröffentlicht und trägt den Titel "Neue Waisenbrücke – Berlins historische Quartiere wieder verbinden":

Weiterlesen ...

Verkehrsplanung für die Oranienstraße jetzt in diesem Film

Abbildung: Screenshot Youtube

Die planende STATTBAU GmbH hat im Namen und im Auftrag des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg einen Film zur Verkehrsplanung in der Oranienstraße online gestellt.

Der Beitrag ist Teil des umfänglichen Beteiligungsverfahrens und soll die daraus entwickelten Planungsergebnisse vorstellen.

Weiterlesen ...

Fertigstellung der Laterne auf St. Thomas

Bild: Für Pfarrer Christoph Heil war eine seiner ersten Aufgaben die Segnung des Turmkreuzes beim Aufsetzen auf die Laterne am 31. März 2021 - in 55 Metern Höhe (Foto: Claudia Hertel)Weihnachts- und Winterpause erzwangen die Unterbrechung der Bauarbeiten. Die Wetterplanen wurden erst Ende Februar 2021 gelüftet für die Wiederaufnahme der Maurerarbeiten. Sie müssen allerdings zu jedem Feierabend erneut festgezurrt werden, weil immer wieder Frostnächte drohen.

Erst der März lässt längere Arbeitsperioden zu. Das sichtbare Sockelmauerwerk schließt in 3 Metern Höhe in einem dickeren Ring von Formsteinen ab. Hier endet der zweischalige Aufbau des Mauerwerks, das nun einschalig weiter aufgeführt wird.

Der Formsteinring bildet einen wulstförmigen Verzierungsring, der an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 1,68 Meter aufweist. Die Formsteine sind speziell nach den abgebrochenen Originalen gebrannt worden. Auch die zur vertikalen Verzierung hochgeführten Halbrundsteine sind nachgefertigt und den Originalen gleich. Sie bilden 12 aufstrebende Verzierungslinien, die die konische Gestaltung des Schaftes betonen.

Weiterlesen ...