Luckauer Str.13. Foto: Claudia HertelAm 20.11.2021 wurde auf Initiative der Stolpersteininitiative Stierstraße Berlin-Friedenau in der Luckauer Str. 13 ein Stolperstein für Isaak Eisner verlegt.  

Isaak Eisner wurde am 9.Sept. 1863 in Jellowa (Ilnau, ehem. Schlesien) geboren. Er war Schlachtermeister und hatte eine eigene, sehr gut gehende Fleischerei für koscheres Fleisch in der Luckauer Str. 13 in Berlin-Kreuzberg, wo er und seine Familie auch wohnten.  

Isaak Eisner war verheiratet mit Auguste Emilie, geb. Labitzke, geboren am 20.9.1865. Seine Frau war protestantisch, er jüdisch und sehr religiös, wegen der großen Zuneigung zueinander kam es trotzdem zur Heirat. Sie hatten vier Kinder, drei Mädchen und einen Jungen. Auguste Eisner verstarb am 16.1.1930 in Berlin und wurde in Weißensee beigesetzt. 

Isaak Eisner wohnte zuletzt im Altenheim Große Hamburger Str. 26 und wurde im Alter von 79 Jahren am 6.6.1942 mit dem 117. Altentransport nach Theresienstadt deportiert, dort starb er am 31.3.1943.

 

Stolperstein Luckauer Str. 13 IsaakEisner. Foto: Claudia Hertel

 

Beim Landesverwaltungsamt (Entschädigungsstelle) liegt eine Akte zu Isaak Eisner vor. 

Auch beim Landesarchiv Brandenburg in Potsdam-Golm liegt eine Akte zu Isaak Eisner vor.  

CH


 

Interview mit Claudia Hertel, Leiterin AG-Geschichte des Bürgervereins am 1.12.2021


 Claudia Hertel

BVL: Zweck des Bürgervereins ist, sich der Pflege der Luisenstadt und ihrer Geschichte und Entwicklung zu widmen, die Pflege und Erhaltung von Kulturwerten sowie die Denkmalpflege voranzutreiben und zu verfolgen. Das erfolgt im Wesentlichen durch die AG Geschichte, die es seit der Gründung des Vereins gibt. Seit wann leitest du sie?

C.H.: Seit ungefähr zehn Jahren. Der damalige AG-Leiter war schwer krank und schlug vor, mich kommissarisch einzusetzen. Er ist dann auch bald gestorben. Es fand sich niemand anderes, der diese Stelle übernehmen wollte und seitdem habe ich das gemacht.

BVL: Das ist eine lange Zeit, da kannst du viel über die Arbeit der AG erzählen. Sie ist in der Öffentlichkeit vor allen Dingen durch die monatlichen Veranstaltungen, Führungen, Vorträge präsent. Ihr veröffentlicht das in Flyern, Plakaten, auf der Homepage. Wie funktioniert eigentlich die Arbeit in der AG? Wie kommt es zu den jeweiligen Themen, von der Idee bis zur Veranstaltung?

C.H.: Seitdem ich dabei bin, treffen wir uns am dritten Montag jeden Monats nachmittags im Büro vom Bürgerverein beziehungsweise coronabedingt entweder per Videokonferenz oder in den Sommermonaten im Freien vor der Michaelkirche.

Und dann trägt jeder vor. Ich trage als Leiterin erstmal vor, was der erweiterte Vorstand beraten und beschlossen hat, und als nächstes geht es um die Themen der AG Geschichte. Man spricht über ein aktuelles Thema. Zum Beispiel Stolperstein-Verlegung. Wer kann dazu recherchieren? Oder wem fällt was ein, was wir im nächsten Quartal besuchen könnten oder wen könnten wir fragen, wer für uns einen Vortrag hält oder welches Gebäude könnte man besichtigen? Und dann wird beraten, wer diese Themen übernimmt.

BVL: Wie viele seid ihr?

C.H.: Wir haben sieben, acht feste Mitglieder. In den letzten zwei Jahre sind es etwas weniger geworden, weil einige altersbedingt nicht mehr kommen konnten.

BVL: Ihr habt keinen Schwerpunkt für das Jahr, sondern ihr tragt zusammen, was jeder gerade interessant findet?

C.H.: Genau. Oder wenn in dem Jahr der Jahrestag eines Ereignisses ist, dann machen wir etwas dazu. Zum Beispiel zum 30. Jahrestag der Maueröffnung, Wiedervereinigung. Da haben wir mit anderen Initiativen in der Luisenstadt Führungen entlang des ehemaligen Mauerverlaufs gemacht. Ich finde es auch wichtig, mit anderen Initiativen zusammen etwas auf die Beine zu stellen.

BVL: Ihr nehmt bestimmte Jahrestage oder historische Ereignisse mit zum Anlass?

C.H.: Richtig. Oder der Todestag einer Ikone der Luisenstadt, oder zum Beispiel die Broschüre, die wir erarbeitet haben zum Heinrich-Heine-Viertel. Die Idee hat eine damalige Mitarbeiterin der Wohnungsbaugenossenschaft Berolina an uns herangetragen. Anlässlich 60 Jahre Grundsteinlegung kam sie auf die Idee des historischen Pfades und hat unsere AG Geschichte angesprochen. Dann

haben sich vier von uns bereit erklärt, das auf die Beine zu stellen und wir haben es geschafft, mit eigenen Mitteln die Broschüre „Der historische Pfad im Heinrich-Heine-Viertel“ herauszugeben und bieten dazu auch thematische Führungen an.

Historischer Pfad

BVL: Eine Führung, die ich sehr beeindruckend fand, war zum Thema Zwangsarbeit in der Köpenicker Straße. Wie kommt ihr an Leute, die dazu was erzählen können?

C.H.: Wenn keiner aus unserer Gruppe jemanden kennt, dann gucke entweder ich oder jemand anderes im Internet, was ist dazu von wem publiziert worden. Sind das Menschen, die hier leben. Dann schreiben wir diejenigen an und fragen, ob sie bereit sind, eine Führung für uns zu machen. Wir können aber in der Regel keine Honorarkosten oder Anreisekosten übernehmen. Die Führung zu den Zwangsarbeitsstätten hat sich glücklich ergeben. Die Frau wohnt in Berlin und war sofort bereit mitzuarbeiten.

BVL: Sind die AG-Mitglieder schon lange im Bürgerverein oder kommen auch ab und zu mal neue dazu?

C.H.: Es ist eher selten, dass neue Leute dazukommen. Auf den Führungen sind Mitglieder der AG Geschichte und des Bürgervereins dabei, aber auch immer Leute, die von außen dazu kommen. Das sind zum Teil sehr an Geschichte interessierte Menschen und die sprechen wir natürlich darauf an, wollt ihr nicht mitmachen? Aber das verwirklicht sich selten in einer aktiven und vor allem regelmäßigen Teilnahme.

BVL: Aber ihr seid keine Historiker*innen? Einfach an Geschichte und speziell Stadtteilgeschichte Interessierte?

C.H.: Genau. Fast alle wohnen in der Luisenstadt oder nahe bei, sowohl Kreuzberger als auch Mitte-Seite und einige sehr betagte Leute. Das ist ihr Bezug dann, zur Geschichts-AG dazuzukommen und aus ihrer eigenen Geschichte auch zu erzählen.

BVL: Das kann ich gut nachvollziehen. Ich bin in der Luisenstadt groß geworden und habe durch eure Veranstaltungen und Führungen einen ganz anderen Blick auf mein eigenes hier Großwerden bekommen. Als wir dann hergezogen sind, wollte ich mich näher mit der Gegend befassen, denn als Heranwachsende machst du das nicht unbedingt.

C.H.: Ich erinnere mich an eine Führung im Museum Friedrichshain-Kreuzberg. Eine junge Türkin hat mit uns eine Führung durch den türkischen Teil Kreuzbergs gemacht. Es gab ein Einführungsgespräch im Museum und dann sind wir die Adalbertstraße hoch, Oranienstraße und Reichenberger Straße. Wir sind in eine Moschee gegangen, waren im Trockenobstladen, haben uns ein Reisebüro angeguckt, einen Schmuckladen und natürlich die Gastronomien. Bei dieser Führung war eine alte Kreuzbergerin dabei, die sagte, das ist das erste Mal, dass ich mit einer jungen Türkin spreche. Das fand ich sehr erstaunlich.

BVL: Es ist schon merkwürdig, wie verwurzelt viele Berliner in ihren Kiezen sind und wie eng sie auch manchmal in ihren Kontakten sind.

C.H.: Oder wie geschlossen auch diese einzelnen Kreise sind innerhalb eines Kiezes. Wir sind in das Patentamt gegangen und haben eine Führung mitgemacht. Da waren auch Menschen dabei, die meinten: Oh! Hier war ich noch nie drin. So oft schon dran vorbeigelaufen …

BVL: Normalerweise kommt man nicht auf die Idee, da reinzugehen und zu gucken. Beispielsweise das IG-Metall-Haus in der Alten Jakobstraße hat eine spannende Geschichte und einen wunderbaren Flur. Aber allein kommt man nicht darauf, in das Gewerkschaftshaus zu gehen und sich das anzuschauen. Es braucht einen äußeren Anstoß.

C.H.: Und das finde ich so schön an der Arbeit der AG Geschichte, dass man auch seiner eigenen Neugierde nachgehen kann. Wenn man sagt, ich bin vom Bürgerverein Luisenstadt, Arbeitsgruppe Geschichte, da öffnen sich einem wirklich die Türen. Also das finde ich sehr schön, auch dass man das Gefühl hat, man bringt Menschen, die hier wohnen ihre eigene Nachbarschaft näher. Es erschließt Zusammenhänge.

BVL: Das Bedürfnis dazu ist ja auch da. Das hört sich jetzt sehr einfach an, aber ich kann mir vorstellen, dass von der Idee bis die Führung stattfindet, dass da viel Arbeit hinter steckt oder auch etliche Hindernisse zu überwinden sind.

C.H.: Also was viel Arbeit verlangt, sind die Programm-Flyer. Es gibt immer pro Quartal einen Programm-Flyer, da sind idealerweise drei Programmpunkte drin, meistens pro Monat einer. Und das musst du koordinieren. Erstmal die Themen. Findest du jemanden, der da mitmacht, von außen, aus der Arbeitsgruppe oder aus dem Bürgerverein. Dann musst du sehen, wenn das eine Veranstaltung in einem geschlossenen Raum ist, wo machst du das, ohne Geld zahlen zu müssen.

Also es muss schon viel koordiniert werden. Auch drucktechnisch, wer macht das Layout, welche Bilder verwendest du, müssen sie senkrecht, waagerecht sein, was ist mit den Bildrechten. Wer schreibt die Texte für den Flyer, was kommt vorne aufs Deckblatt, wann geht er in den Druck, damit idealerweise bei der letzten Veranstaltung des gültigen Quartalsflyer der nächste fertig ist. Also das ist auch kreativ, aber dahinter steckt viel Arbeit.

BVL: Ist die Arbeit denn verteilt auf die Mitglieder oder hängt vieles an dir?

C.H.: Zu ca. 80 Prozent bin ich diejenige, die das koordiniert, dass alles rechtzeitig zusammenkommt. Manchmal gibt es auch Quartale, wo irgendwas nicht so funktioniert. Und dann springen Vereinsmitglieder ein wie Uli Fluß oder Volker Hobrack, die immer ein Thema und immer etwas zu erzählen haben. Oder man wiederholt auch schon mal was. Zum Beispiel eine Führung in der Blindenanstalt in der Oranienstraße, die findet im Januar wieder statt. Das sind dann Sachen, auf die man zurückgreifen kann und die trotzdem immer wieder gerne angenommen werden.

BVL: Die Führung durch die Blindenanstalt war eine der ersten, die wir mitgemacht haben, als wir hier neu wohnten. Da bin ich als Kind immer dran vorbeimarschiert und jetzt konnte ich da endlich rein und mir das alles angucken und anhören.

C.H.: Es kommt immer wieder vor, dass Leute eine Führung oder einen Besuch mitgemacht haben und sagen, oh, war das spannend, macht doch mal was anschließend daran. Zum Beispiel man läuft eine Strecke am Landwehrkanal ab, dann heißt es, wann laufen wir den Rest ab oder wann wiederholst du das? Ich kenne ein paar Leute, die würde das auch interessieren.

BVL: Ich finde es nicht verkehrt, in gewissen Abständen noch mal was Vergleichbares zu machen. Es kommen neue Leute dazu und je nachdem, wer das macht, gibt es immer neue Aspekte.

Du hast vorhin die Broschüre zum Heinrich-Heine-Viertel erwähnt. War das ein Gemeinschaftswerk der AG, wie lief das ab?

C.H.: Wir sind viel herumgelaufen und haben geguckt, wo kann man recherchieren und haben uns dann fünf Stellen ausgesucht und geguckt, was gab es da früher in Berlin. Zum Beispiel stand an einigen Standorten eine Schule oder eine Kirche, dann wurde da was Neues gebaut und dann kam der Mauerbau und die DDR-Zeit. Zu den jeweiligen Themen haben Einzelne von uns gezielt recherchiert, im Landesarchiv, in Bibliotheken, und haben dazu etwas geschrieben. Wir haben uns mehrmals zusammengesetzt, das ging ja über mehrere Jahre, und haben geguckt, dass die Texte einheitlich sind, dass wir die Jahreszahlen gleich schreiben, haben die Bildrechte zusammengebettelt.

BVL: Gab es eine Redaktionsgruppe oder hat die ganze AG das Okay gegeben?

C.H.: Die ganze AG hat das mitgemacht. Aber das Layout hat Theresa Reuter gemacht, sie ist nicht Mitglied und hat auch ein Honorar dafür bekommen. Es hing schon viel Arbeit an ihr.

BVL: Es gibt noch diese schöne Broschüre über die Eisfabrik in der Köpenicker Straße - Die Eisfabrik gestern heute morgen. Ist das auch ein AG-Ergebnis?

C.H.: Das Material zusammengetragen hat Peter Schwoch, auch die meisten Texte geschrieben und Monika Müller hat die Redaktion übernommen. Aber es ist hauptsächlich das Werk von Peter. Die Idee dazu kam anlässlich eines Tages des offenen Denkmals, an dem die Eisfabrik dran beteiligt war. Da haben wir uns überlegt, dass am nächsten Tag des offenen Denkmals eine Broschüre dazu vorliegen sollte. Das haben wir auch geschafft. 

Eisfabrik Broschüre Cover

BVL: Ist außer diesen beiden Broschüren eine dritte geplant oder gibt es eine Idee dazu?

C.H.: Also am Herzen liegt uns eine vergleichende Broschüre zum Heinrich-Heine-Viertel auf der anderen, der Kreuzberger Seite, Otto-Suhr-Siedlung. Das würde uns sehr gefallen. Oder über die Ikonen der Luisenstadt. Wir haben geliebäugelt mit den Denkmälern in der Luisenstadt. Aber das ist mit viel Arbeit verbunden und im Moment sehe ich nicht, dass das realisierbar wäre. Aber Ideen genug sind da.

BVL: Was waren denn aus deiner Sicht Höhepunkte in der Arbeit der AG Geschichte?

C.H.: Sehr beeindruckend fand ich die Führung zu den Betrieben in der Köpenicker Straße, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben. Dann fand ich sehr schön, obwohl wir das nicht maßgeblich bestimmt haben, die Lichtmauer zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. Da waren wir in der Waldemarstraße dran beteiligt. Sechs, sieben Stunden standen wir da, bis es abends losging. Das war sehr beeindruckend, wie man ins Gespräch auch kam mit den Leuten. 

25 Jahre Mauerfall Lichtgrenze 2014

Und sehr berührt hat mich eine Kooperation 2018 mit der Jacobikirche zu 80 Jahren Pogromnacht. Da war erst die Andacht in der Jacobikirche und später haben immer wechselnde Personen eine Stunde lang die Namen der Opfer gelesen, die aus der Luisenstadt deportiert wurden.

BVL: Der Bürgerverein hat 2015 vom Landesdenkmalamt die Ferdinand-von-Quast-Medaille verliehen bekommen. Wofür gab es die?

C.H.: Für die Wiederherstellung des Engelbeckens in der historischen Form. Da hat sich damals, vor meiner Zeit, der Bürgerverein und insbesondere Klaus Duntze sehr für engagiert, dass das in der historischen Form wieder hergerichtet wird. Das ist schon eine recht hochrangige Ehrung. Und vor zwei Jahren bekam der Bürgerverein die Verdienstmedaille des Bezirks Mitte.

BVL: Welchen Stellenwert haben solche Ehrungen für den Verein und insbesondere auch für die AG Geschichte?

C.H.: Ich denke, die Ferdinand-von-Quast-Medaille war eher eine Ehrung in Richtung Geschichte. Bei der Verdienstmedaille des Bezirks ging um die gesamte Arbeit, die der Verein seit 30 Jahren leistet, die Kontinuität, die Vielseitigkeit, die Verlässlichkeit. Wichtig finde ich auch, dass man politisch neutral bleibt.

Und wichtig ist uns auch der Kontakt zu anderen geschichtlichen Initiativen, vorrangig in Berlin. Da gibt es sehr viele. Die meisten sind entweder objektbezogen oder stadtteilbezogen. Ein Austausch war immer unser Interesse, aber das ist auch arbeitsaufwändig, an Treffen beteiligt zu sein oder zumindest in dem Verteiler drin zu sein und mitzuteilen, das interessiert uns.

BVL: Gibt es Initiativen, mit denen ihr dauerhaft in Kontakt seid?

C.H.: Ja, das ist hauptsächlich der Verein KENB, Kulturerbenetz Berlin. Er will nach dem Münchener Modell alle sich mit Geschichte befassenden Initiativen zusammenbringen für einen gemeinsamen Auftritt, eine Website zum Beispiel. Um auch gegenüber dem Senat sagen zu können, wir sind 20 oder 30 historische Initiativen, die etwas möchten. Wir sind in dessen Verteiler und bekommen immer wichtige Informationen.

Eine engere Zusammenarbeit gibt es mit den historischen Initiativen hier in der alten Berliner Mitte. Zum Beispiel bei den Hafenfesten im historischen Hafen, da hatten wir einen Stand. Die Initiative Leipziger Straße hatte ihren Stand, auch das Nikolaiviertel. Dadurch entstand ein Austausch mit dem Netzwerk Alte Berliner Mitte.

BVL: Gibt es auch eine Kooperation mit dem Friedrichshain-Kreuzberg-Museum oder dem Mitte Museum?

C.H.: Punktuell mit dem Kreuzberg-Museum in der Adalbertstraße, dass wir zum Beispiel deren Räumlichkeiten nutzen dürfen. Aber das muss immer wieder eruiert werden, ob es an dem Tag möglich ist und zu welchen Konditionen.

BVL: Mich interessiert, wie funktioniert so eine Arbeitsgruppe? Gibt es Personen aus der Gruppe, die für bestimmte Aufgaben, Kooperationen zuständig sind oder läuft dann doch alles auf dich hinaus?

C.H.: Zum Mitte Museum und zum Kreuzberg-Museum liefen Kontakte vorrangig über zwei AG-Mitglieder, die dort mitgearbeitet haben. Viel hat auch Volker Hobrack beigetragen, der in vielen Institutionen und Initiativen ist, wie Blindenwerkstatt oder Gedenkstätte Deutscher Widerstand, er hat auch Kontakte zur Koordinierungsstelle Stolpersteine. Dadurch sind viele Kontakte leichter zustande gekommen.

BVL: Ja, das macht viel aus. Und wie geht es jetzt weiter mit der AG Geschichte? Wie sieht deren Zukunft aus?

C.H.: Auf den letzten Sitzungen haben wir das Programm für das nächste Quartal fertig gemacht. Aber ich möchte nicht weiter die Verantwortung dafür tragen, ich weiß auch gar nicht, wie lange ich noch in Berlin bin. Solange ich hier bin, mache ich gerne mit, aber nicht mehr als Verantwortliche, nach fast zehn Jahren kann das auch mal jemand anderes machen, und vielleicht auch einen anderen Wind reinbringen. Also ich denke, es wird so weitergehen erstmal, dass die Aktiven, die regelmäßig kommen, zusammen versuchen, interessante Themen zu finden und an die Öffentlichkeit zu tragen. In der Luisenstadt ist so viel Spannendes zu entdecken, auch kennenzulernen, was da ist.

BVL: Ich glaube nicht, dass der AG die Ideen ausgehen. Aber es braucht doch eine oder auch zwei, drei Personen, die darauf achten, dass die Sachen erledigt werden. Das kann man auf mehrere Schultern verteilen. Aber es müssten schon bestimmte Personen dafür zuständig und verantwortlich sein, auch wenn sie nur delegieren. Möchtest du noch etwas erzählen, was dir wichtig ist?

C.H.: Als ich vor knapp elf Jahren in die Luisenstadt gezogen bin, wollte ich etwas Neues kennenlernen und auch Kontakte finden. Mich haben die Stolpersteine sehr interessiert, darüber kam ich zur AG Geschichte und habe gemerkt, was das für einen Zugang zum Stadtteil, zum Kiez und zu den Menschen, die im Kiez leben, ermöglicht. Das hat sich bis heute bestätigt, immer mehr gefestigt und auch erweitert. Für mich fängt jetzt ein neuer Lebensabschnitt an und ich gehe perspektivisch raus aus dem Kiez, aus der Luisenstadt und es fällt mir nicht leicht. Also ist nicht nur mit, ach, wie schön, neue Freiheit. Es ist auch mit ein bisschen Traurigkeit verbunden.

BVL: Das kann ich gut nachvollziehen. Ich bin in der Kreuzberger Luisenstadt groß geworden, habe auch in verschiedenen Bezirken gewohnt, und vor gut sieben Jahren sind wir fast zurück in meine alte Heimat gezogen. Ich kannte hier vieles, habe aber jetzt andere Anknüpfungspunkte, auch den Wunsch, einiges zu vertiefen. Und dazu braucht man auch direkte Kontakte im Umfeld. Es gibt immer Zusammenschlüsse, die einen mit offenen Armen empfangen und sagen, ja, prima, komm her.

C.H.: Und man kann sich einbringen. Das finde ich auch ein sehr befriedigendes Gefühl. Oder man kann selbst etwas auf die Beine stellen. Das ist nicht nur auf die AG Geschichte bezogen, sondern generell auf die Arbeit im Bürgerverein. Man kann sich einbringen. Sei es über die Stadtentwicklung, über die Gestaltung von Grünflächen, sei es zur Frage, wie geht man nachbarschaftlich miteinander um. Wie aufmerksam ist man zueinander.

BVL: Das knüpft ja an die Bedürfnisse von Menschen an, das Umfeld, wo man lebt, es schön zu haben und auch mit gestalten zu können.

C.H.: Ganz wichtig finde ich, dass man die Sommerfeste wieder aufnehmen kann, als Möglichkeit, sich zu begegnen, was zusammen zu gestalten. Der eine stellt die Biertische auf, der andere kümmert sich um das Organisatorische. Und jeder bringt was zu essen, was zu trinken mit. Da ist coronabedingt vieles an Aktivitäten weggefallen.

Und sehr genossen habe ich die jährlichen Ausflüge mit der AG Geschichte. Sie waren gedacht für die Arbeitsgruppe und nicht als öffentliche Veranstaltung. Das erste Mal habe ich das vorgeschlagen. Alle waren begeistert und haben mitgemacht. Das war immer ein Ausflug in eine Stadt oder an eine Örtlichkeit nicht weit weg, mit einem geschichtlichen Hintergrund. Zum Beispiel waren wir vor einigen Jahren in Anklam im Museum Lilienthal. Der damalige Museumsdirektor hat uns durch das Museum geführt. Das war auch schon im Hinblick darauf, dass wir eine Gedenkstätte für die Gebrüder Lilienthal in der Köpenicker Straße haben wollen. Dann waren wir in Görlitz und haben eine wunderbare Führung durch die Altstadt bekommen. Ein anderer Ausflug war nach Groß-Schönebeck, auch nach Neuruppin und Brandenburg an der Havel. Es wäre schön, wenn das wieder möglich ist. Das schweißt eine Gruppe auch zusammen.

BVL: Ich habe den Eindruck, dass es schwer ist, neue Menschen und erst recht junge Menschen für Geschichte, vor allem Kiezgeschichte, zu begeistern. Was ist deine Erfahrung?

C.H.: Das würde ich auch sagen, schon aus persönlicher Erfahrung. Als junger Mensch habe mich für Geschichte ziemlich null interessiert. Und ich denke, dass die zwischen 20 und 30jährigen heutzutage nicht auf einen Flyer gucken, der irgendwo ausliegt, sondern die sind medial unterwegs. Und da machen wir nicht viel. Seit knapp zwei Jahren läuft der Versuch, mehr oder weniger regelmäßig einen Newsletter herauszubringen und die Website aktuell zu halten. Aber mehr passiert nicht, weil die meisten von uns überhaupt nicht befähigt sind, das durchzuhalten, in den sozialen Medien aktiv zu sein.

BVL: Dazu brauchst du jemand, der technisch fit ist, Lust dazu hat und auch am Ball bleibt, auf Kommentare eingeht oder irgendwelche Sachen bearbeitet. In der Satzung steht auch, Jugendliche und Kinder durch Zusammenarbeit für die Heimatgeschichte zu begeistern. Ist in der Richtung irgendwas gelaufen und wie waren die Ergebnisse?

C.H.: Mir liegt das sehr am Herzen. Vor meiner Zeit war die Grabung zu den Resten der alten Luisenstadtkirche. Da gab es eine Kooperation mit einer Schulklasse aus der City-Grundschule. Mir schwebte eine Geschichtsrallye mit Kindern vor. Eine andere Idee war, mit einer freien Mitarbeiterin vom Friedrichshain-Kreuzberg-Museum was zu Badeanstalten zu machen. Sie hatte recherchiert mit der DLRG auf der Fischerinsel über Schwimmschulen und Badeanstalten in der Luisenstadt. Aber realisiert worden ist es bisher nicht.

BVL: Kinder für Geschichte zu begeistern passiert ja auf verschiedenen Ebenen, dass sie einen spannenden, lebensnahen Geschichtsunterricht haben, sie auch in der Familie Antworten bekommen auf Fragen und dadurch neugierig werden auf Früher.

C.H.: Das Museum Friedrichshain-Kreuzberg hat auch mit dieser freien Mitarbeiterin hauptsächlich junge Türken und Araber zu Stadtteilführern ausgebildet. Eine Führung habe ich mitgemacht. Das war auch witzig. Die Kinder haben den erwachsenen Teilnehmern ihren Kiez erklärt, auch erzählt, früher mussten die Kinder hier arbeiten und wir können jetzt zur Schule gehen. Das kann man ausbauen. Aber das ist nicht mehr in meiner Verantwortung, das kann dann jemand anderes machen.

BVL: Hoffen wir, dass sich eine, einer oder eine Handvoll Menschen dafür finden. Es wäre schade, wenn es nur bei Ideen bliebe. Es ist zwar schön, sich untereinander auszutauschen, aber noch schöner ist es, diese Ideen auch umzusetzen und Rückmeldungen zu bekommen.

Das Interview führte Beate Leopold


 

Zeitweilig sind drei Mitgliedern unserer Arbeitsgruppe ausgefallen durch Krankheit und Auslandsaufenthalte. Es fällt uns deshalb schwer, die vorgesehenen Vorträge und Stadtführungen wie gewohnt im 1. Quartal 2022 fortzusetzen. Der Vortrag von Uli Fluss über die Geschichte des Moritzplatzes im November 2021 im Aufbauhaus hat ja durch seine rege Teilnahme hohe Maßstäbe gesetzt. Die anschließende Diskussion zwischen den Besuchern und dem Vortagenden hat gezeigt, wie groß das Interesse von Anwohnern und neu Hinzugezogenen an Lokalgeschichte ist. Und es hat sich auch gezeigt, dass die humorvolle Vortragsart und die profunde Ortkenntnis von Uli bei unseren Vereinssympathisanten bekannt ist.

Für Sonnabend 22. Januar 2022 haben wir wieder eine Führung in der Manufaktur der Union sozialer Einrichtungen (früher Blindenanstalt), Oranienstraße 26, verabredet. Wir wollen uns ansehen wie in Teams von behinderten und nicht behinderten Menschen Möbel repariert, Stühle neu bespannt oder Bürsten hergestellt werden. Es gibt auch eine Schachtelmacherei. So entstehen schöne neue Dinge für Büro, Wohnzimmer und Küche und ebenso werden alte vertraute Sachen und Möbel wieder gebrauchsfertig hergerichtet. Der Chef wird uns führen und die einzelnen Arbeitsgänge erklären. Das hat er schon 2017 gemacht, als wir das letzte Mal eine Führung in dieser Einrichtung erleben durften.

Ob wir allerdings die für den 22.1.22 geplante Führung durchführen können, hängt von den Auflagen der tagesaktuellen Corona-Verordnung ab. Es kann passieren, dass wir bei weiteren Restriktionen unmittelbar am Eingang die Führung absagen und die Besucher abweisen müssen.

Trotzdem planen wir weiter.

Gemeinsam mit der Gewerkschaft Ver.di ist die Enthüllung einer Gedenkstele für BONA PEISER und PAULA THIEDE vorgesehen am Freitag, 4. März 2022, um 14 Uhr unmittelbar vor dem Ver.di-Gebäude am Spreeufer Ecke Bona-Peiser-Weg / Paula-Thiede-Ufer. Diese Enthüllung ist als Freiluft-Veranstaltung geplant.

Paula Thiede (1870 -1919) war eine Buchdrucker-Gewerkschafterin und führte als erste Frau hauptamtlich eine reichsweite Gewerkschaft.

Bona Peiser (1864 – 1929) war Bibliothekarin in Deutschland und arbeitete als erste Frau in öffentlichen Bibliotheken.

Die an das Gewerkschaftsgebäude angrenzenden Straßen wurden vor zwanzig Jahren nach diesen beiden Frauen benannt. Das erfolgte damals auf Initiative des Unterzeichners als BVV-Mitglied in Abstimmung mit den Verantwortlichen von Ver.di , um ein dauerndes ehrendes Erinnern an diese beiden engagierten Frauen im Straßenbild zu erreichen.

Den jetzigen Vorschlag von Frauke Marth-Thomsen, für diese beiden Frauen zusätzlich eine Gedenkstele aufzustellen, hat die Gewerkschaft Ver.di aufgegriffen und wohlwollend finanziell unterstützt. Sie hat außerdem zugesagt, dass der Ver.di-Vorsitzende an der Veranstaltung teilnehmen und sprechen wird. Diesen guten Kontakt zur Gewerkschaft verdanken wir den Bemühungen von Frauke M.-Th. als auch von Ronald Pieper. Wenn es unter den an diesem Tag herrschenden Coronabedingungen möglich sein sollte, wollen wir einen Buchverkaufsstand im Foyer des Ver.di –Gebäudes aufstellen und Frauke M.-Th. ihre Biographie über Bona Peiser signieren lassen. Vielleicht ist damit der Beginn einer guten Nachbarschaft zwischen Gewerkschaft und Bürgerverein verbunden.

Zwei Tage später am 6. März 2022 jährt sich der Gründungstag unseres Bürgervereins zum 31. Mal. Schon im vergangenen Jahr konnten wir den 30.Jahrestag wegen der Corona-

Pandemie nicht feiern. Wahrscheinlich werden wir dieses Jubiläum in diesem Jahr erst im Frühsommer richtig feiern können.

Für das II. Quartal 2022 haben wir folgende Themen vorgesehen:

- Öffentliche Bibliotheken in Berlin bis 1914: Vortrag F. Marth-Thomsen

- Jüdisches Leben in der Luisenstadt: Anfrage bei Frau Ludmilla Budig

- Gedenktafel Bona Peiser in der Rungestraße…. Reinigen und Schriftzug mit Bronzefarbe nachzeichnen

Alle Aktivitäten sind abhängig von den geltenden Vorschriften im öffentliche Leben.

VH

Eine weitere Leseprobe aus unserer Stadtteil-Broschüre "Historischer Pfad" über das Heinrich-Heine-Viertel

Leben an der Mauer

Die Station 5 erinnert uns an die Jahre 1961 - 1989 und das Leben an der Berliner Mauer

Die heutige Zeit "nach der Mauer" ist bereits länger als die Zeit zwischen Mauerbau und Mauerfall.

Volker Hobrack rekapituliert die Zeit und erinnert an die gemauerte Trennung der Luisenstadt und das sehr unterschiedlich entstehend neue Leben in Süd (Mitte) und Nord (Kreuzberg).

Zur Station 5 - auch hier haben wir eine Erinnerungs-Stele geplant... es fehlt leider nicht nur an Geld, auch an einem breiten Willen, diese zu realisieren...


Im August 1961 konnten die Menschen in der Sebastianstraße aus ihren Fenstern zusehen, wie die ersten Absperrungen mit Stacheldraht gezogen wurden.

Es war unvorstellbar, dass das sperrige Ungetüm ausgebaut und über Jahrzehnte stehen bleiben würde. In vielen Straßen entlang der innerstädtischen Grenze mussten die Anwohnenden Erschwernisse beim Zugang zu Ihren Häusern in Kauf nehmen.

Eine weitere Leseprobe aus
unserer Stadtteil-Broschüre

Station 4 Verschwundene Straßen karten

Auf zur Station 4 - Verlorene, aufgegebene und umbenannte Straßen

Ein weiterer Blick zurück: Verschwundene Straßen in der Luisenstadt. Einige sind verloren, aufgegeben, andere umbenannt und leben auch heute noch - teils in einem Schattendasein.

Wir unternehmen eine weitere Etappe auf unserem Rundgang durch das Heinrich-Heine-Viertel und begeben uns zur Station 4. Wo leider ebenfalls noch die von uns geplante Stele vor Ort fehlt.

Eine weitere Leseprobe aus
unserer Stadtteil-Broschüre

Entwurf Neanderviertel 600

Station 2: Die Projektierung des Heinrich-Heine-Viertels 1957 – 1961

Hier: Annenstraße und Dresdener Straße

Nach den massiven Kriegszerstörungen war die Schaffung von Wohnraum dringend notwendig. Nun war es auch im Berliner Stadtzentrum möglich, die architektonischen Ideen des "Neuen Bauens" der 1920er Jahre wieder aufzugreifen und schnell und kostengünstig "Wohnungen für alle" zu bauen – ein Stil, der während der NS-Herrschaft geächtet war.


Im Dezember 1957 schlug die SED die Projektierung einer Siedlung im Bereich Alte und Neue Jakobstraße, Sebastianstraße und Neanderstraße vor und bereits 1958 konnte mit dem Bau begonnen werden. Die Reste der ehemals stark verdichteten Blockrandbebauung des Neanderviertels wurden vollends abgetragen und an ihrer Stelle bestimmten nun von Grün umgebene Zeilenbauten das architektonische Bild – ganz im Sinne des 1958 entwickelten Leitbildes des "sozialistischen Wohnkomplexes".


Tour 6 Karte

> Stadtplan-Skizze der Fußtour in der Großansicht


Leseprobe

Historische Fußtour No 6: Die "Cöpenicksche" - Vom Schulze-Delitzsch-Platz zum Schlesischen Tor

Von und mit Frank Eberhardt *)

Text und Illustration: Auszug aus unserem Nachdruck des Buches "Die Luisenstadt - Geschichte und Geschichten über einen alten Berliner Stadtteil". Seite 256 - 261. Abbildungen in Schwarz-Weiß ebenfalls dem Buch entnommen.
Die Tourbeschreibung wurde erstellt im Jahr 1995 - vergleichen Sie bei Ihrem Spaziergang doch mal gestern und heute.


*) Diese Tour aus unserem Luisenstadt-Buch verfasste Dr. Frank Eberhardt, 1. Vorstand bei der Gründung unseres Vereins im Jahr 1991 (hier im Interview)

Eine Leseprobe aus
unserer Stadtteil-Broschüre

Historischer Pfad Cover 800

Station 1: Sebastianstraße 25
Melanchthonhaus der Berliner Stadtmission 1838 - 1878

Mit Beginn der Industrialisierung in den 1830er Jahren und verstärkt nach dem Ende des deutsch-französischen Kriegs von 1871 zieht ein gewaltiger Strom von ländlichen Bewohnern in die Reichshauptstadt auf der Suche nach einer lebenswerten Zukunft.

Die Not ist groß. Die Menschen leben in den Hinterhöfen der Arbeiterviertel elend auf engstem Raum.

Um die Not zu lindern, entstehen in Deutschland bereits seit den 1840er Jahren nach englischem Vorbild stadtmissionarische Initiativen, eine davon ist das 1858 gegründete Evangelische Johannesstift.

Das Stift hat seinen Sitz außerhalb der Stadt und die Stadtmissionare haben einen weiten Fußweg zu den sozialen Brennpunkten.

Tour 5 Karte

> Stadtplan-Skizze der Fußtour in der Großansicht


Leseprobe

Historische Fußtour No 5: Rund um den Mariannenplatz

Von Frank Eberhardt *)

Text und Illustration: Auszug aus unserem Nachdruck des Buches "Die Luisenstadt - Geschichte und Geschichten über einen alten Berliner Stadtteil". Seite 250 - 255. Abbildungen in Schwarz-Weiß ebenfalls dem Buch entnommen.
Tourbeschreibung verfasst 1994/1995 - vergleichen Sie bei Ihrem Spaziergang doch mal gestern und heute.


*) Diese Tour aus unserem Luisenstadt-Buch verfasste Dr. Frank Eberhardt, 1. Gründungs-Vorstand unseres Vereins im Jahr 1991 (hier im Interview)

Hans Baluschek Arbeiterstadt

Essay von Kurt Wernicke

Unser historischer Bericht von Kurt Wernicke über die "Moritzplatz-Krawalle" und den Berliner Mieterprotest im Jahr 1863 erfreut sich großen Interesses und wird häufig angeklickt (hier lesen). Nun haben wir einen weiteren spannenden "Erlebnisbericht" von Kurt Wernicke erhalten - der spielt zwei Jahre später, schildert den Baupfusch um das Jahr 1865 herum... vor allem das traurige Unglück in der Wasserthorstraße 27 ...


Auch die Baugeschichte Berlins ist von dem unschönen Phänomen der Bauschlamperei nicht frei:

Immer mal wieder hat es Einstürze im Bau befindlicher oder gerade erst fertiggestellter Gebäude gegeben, und nur die spektakulärsten - wie etwa der Einsturz des Turmes vor der Neuen Kirche auf dem Gendarmenmarkt unter der architektonischen Leitung von Carl Gotthard v. Gontard am 25. Juli 1781 - sind in die Berliner Geschichte eingegangen. Im Herbst 1865 häuften sich Einstürze von und an Neubauten allerdings in einer Art, daß den Berlinern angst und bange wurde.


Hans Baluschek Arbeiterstadt

Essay von Kurt Wernicke

Aus "Die Luisenstadt - Geschichte und Geschichten über einen alten Berliner Stadtteil"

Erschienen erstmals 1995, Reprint 2017

Original-Text, alte Rechtschreibung:


In der Mitte der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts erlaubte die Lage auf dem Wohnungsmarkt den Hausbesitzern und Vermietern in Berlin, unverschämte Mietkontrakte zu verlangen. Unverhüllt wurden Anlässe für Exmittierung vor Ablauf des Mietverhältnisses geschaffen, um dafür willfähigere und zahlungskräftigere Mieter einziehen zu lassen.

Fusztour 3 Karte


> Stadtplan-Skizze der Fußtour in der Großansicht


Leseprobe

Kreuzberg einmal anders - Impressionen links und rechts des Landwehrkanals / Teil 2

Von Frank Eberhardt *)

Text und Illustration: Auszug aus unserem Nachdruck des Buches "Die Luisenstadt - Geschichte und Geschichten über einen alten Berliner Stadtteil". Seite 280 - 285. Abbildungen in Schwarz-Weiß ebenfalls dem Buch entnommen.
Tourbeschreibung verfasst 1994/1995 - vergleichen Sie bei Ihrem Spaziergang doch mal gestern und heute.


*) Diese Tour aus unserem Luisenstadt-Buch verfasste Dr. Frank Eberhardt, 1. Gründungs-Vorstand im Jahr 1991 (hier im Interview)

Den zweiten Teil der Tour kann man mit einem "Dampfer" fortsetzen, an der Haltestelle Kottbusser Brücke einsteigen und nach 30 Minuten am Gröbenufer oder an einer anderen Haltestelle wieder absteigen: Schöne Häuserfassaden sind an beiden Seiten des Kanals zu bewundern, eine Schleuse zu passieren.

Einbringung der Röhrichtinseln

Arbeiter beim Zusammenbau der Röhrichtinseln am Fr. 13. 08. im Engelbecken. Foto: P. Falckenberg

Bürgervereien wählt neuen Vorstand

Neuer Vorstand Bürgerverein Luisenstadt e.V.: Peter Schwoch, Ralph Rönsch und Petra Falkenberg; Foto: Wieland Giebel
Am 12. August 2021 wurde ein neuer Vorstand in der St. Thomas Kirche gewählt. Neuer Vorsitzender wurde Peter Schwoch, Stellvertreterin Petra Falkenberg. Neuer und alter Schatzmeister ist Ralph Rönsch. Ronald Pieper stand aus persönlichen Grunden nicht mehr für eine Vorstandstätigkeit zur Verfügung. Wir wünschen dem neuen Vorstand alles Gute!
Lesen Sie hier auch den Tätigkeitsbericht (PDF)

Es ist ein beglückendes Gefühl, Bücher machen zu können …

Gespräch mit Wieland Giebel, Leiter des Berlin Story Verlags, am 23.6.2021

BVL:    Unter dem Dach Berlin Story sind vielfältige Aktivitäten zur Geschichte Berlins zu finden: Seit 1997 bis 2016 Buchladen und Museum mit diversen Ausstellungen an verschiedenen Standorten Unter den Linden, seit 2014 der international bekannte Bunker mit Museum in Kreuzberg sowie der Berlin Story Verlag. Er hat seit 2015 seinen Sitz in der Luisenstadt, am Leuschnerdamm 7 mit Blick auf das Engelbecken.



In unserem Newsletter geht es um Leben und Arbeiten in der Luisenstadt, daher steht der Verlag im Mittelpunkt. Bis 2015 haben die im Verlag tätigen unter einem Dach mit den Mitarbeiter*innen des Museums und des Buchladens Unter den Linden gearbeitet. Wie kam es zum Wechsel des Verlagssitzes und warum ging er an den Leuschnerdamm?

W.G.:    Der Wechsel kam zustande, weil die Räume Unter den Linden 40 kurz vor der Kündigung standen, das Haus wurde verkauft und wir mussten raus. Zum Leuschnerdamm gingen wir, weil ich im gleichen Haus wohne und die Räume hier bereits für den Verlag vorbereitet waren. Es war alles schon verkabelt und eingerichtet, so eine Art Notbüro, weil vorauszusehen war, dass es Unter den Linden nicht weitergeht.

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Video: Die Allianz Neue Waisenbrücke fordert die Fertigstellung bis 2025

Der Brückentag am 14. Mai 2021 – organisiert durch die Allianz Neue Waisenbrücke – wurde nun filmisch dokumentiert.

Im Youtube Channel des Stadtmuseums ist das 3:35 Minuten kurze Video veröffentlicht und trägt den Titel "Neue Waisenbrücke – Berlins historische Quartiere wieder verbinden":

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Verkehrsplanung für die Oranienstraße jetzt in diesem Film

Abbildung: Screenshot Youtube

Die planende STATTBAU GmbH hat im Namen und im Auftrag des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg einen Film zur Verkehrsplanung in der Oranienstraße online gestellt.

Der Beitrag ist Teil des umfänglichen Beteiligungsverfahrens und soll die daraus entwickelten Planungsergebnisse vorstellen.

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Fertigstellung der Laterne auf St. Thomas

Bild: Für Pfarrer Christoph Heil war eine seiner ersten Aufgaben die Segnung des Turmkreuzes beim Aufsetzen auf die Laterne am 31. März 2021 - in 55 Metern Höhe (Foto: Claudia Hertel)Weihnachts- und Winterpause erzwangen die Unterbrechung der Bauarbeiten. Die Wetterplanen wurden erst Ende Februar 2021 gelüftet für die Wiederaufnahme der Maurerarbeiten. Sie müssen allerdings zu jedem Feierabend erneut festgezurrt werden, weil immer wieder Frostnächte drohen.

Erst der März lässt längere Arbeitsperioden zu. Das sichtbare Sockelmauerwerk schließt in 3 Metern Höhe in einem dickeren Ring von Formsteinen ab. Hier endet der zweischalige Aufbau des Mauerwerks, das nun einschalig weiter aufgeführt wird.

Der Formsteinring bildet einen wulstförmigen Verzierungsring, der an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 1,68 Meter aufweist. Die Formsteine sind speziell nach den abgebrochenen Originalen gebrannt worden. Auch die zur vertikalen Verzierung hochgeführten Halbrundsteine sind nachgefertigt und den Originalen gleich. Sie bilden 12 aufstrebende Verzierungslinien, die die konische Gestaltung des Schaftes betonen.

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