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Tour 10 Gewerbehöfe

> Wege-Skizze der Tour durch die Gewerbehöfe. Wiederholen Sie die Tour an einem Werktag - dann sind die Höfe meistens geöffnet. (Abbildung ist gedreht!)


Leseprobe *)

Historische Fußtour No 10: Gewerbehöfe in der Luisenstadt

Von und mit Frank Eberhardt, Vereinsgründer und erster Vorstand unseres Bürgervereins Luisenstadt

Die Gewerbehöfe in der Rungestraße und Ohmstraße, der Victoriahof, die Stockhöfe, das ehemalige Gewerkschaftshaus, Pelikanhaus, Engelbecken-Hof, Ritterhof, Wassertorplatz und der Elisabethhof sind die zehn interessanten Stationen.

Die Leseprobe beginnt hier

Die Tour zwischen Spree und Landwehrkanal zeigt ein typisches Bild der alten Luisenstadt, heute bekannt geworden als "Kreuzberger Mischung". Wohnen und arbeiten auf dem gleichen' Grundstück zeichnete diese Mischung aus.

 Hinter Wohnhäusern an der Straßenfront wurden auf den meist großen Grundstücken Gewerbe-bauten errichtet. Wegen der hohen Bodenpreise wurden möglichst viele Gebäude auf der gegebenen Fläche untergebracht. Nur die vorgeschriebene Bauhöhe und der für das Gewerbe erforderliche Hofraum setzten Grenzen.

Im Gegensatz zu dem oft tristen Mietshausbau in Wohnhöfen lassen die Gewerbehöfe ein Bemühen um bessere Gestaltung der Fassaden erkennen. Zugänglich sind die Gewerbehöfe nur werktags.

Tour 10 Grundriss 600

 


 


Die Tour beginnt am U- und S-Bahnhof Jannowitzbrücke



Durch die Brückenstraße gelangen wir zur Rungestraße, benannt nach dem ehemaligen Berliner Stadtkämmerer Heinrich Runge (1817-1886).

In der Rungestraße 22-27 (1) befindet sich ein großer Gewerbekomplex mit Jugendstildekor an der Putzfassade. Er wurde 1906 auf dem Gelände eines Holzlagerplatzes an der Spree errichtet.

Das äußerlich einheitlich aussehende Gebäude enthält entsprechend den zwei Toreinfahrten getrennte Komplexe mit jeweils drei Höfen, die sich bis zur Spree erstrecken.

In Nummer 22/24 war von 1926-1952 die Zigarettenfabrik Josetti ansässig, deren Name noch das Haus schmückt. Danach Umnutzung als Gewerbehof mit vielen kleinen Betrieben. Jetzt befindet sich hier eine Senatsverwaltung.

In Nummer 25/27 gab es verschiedene Nutzer, vor allem textilverarbeitende Betriebe. Die Rekonstruktion und Nutzung für Wohn- und gewerbliche Zwecke ist vorgesehen.

Tour 10 Rungestrasze 500

Weiter geht es durch die schmale Ohmstraße (2)

Nur wenige der Wohnhäuser aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts haben den Krieg überstanden, ihr baulicher Zustand ist äußerst schlecht. Hier soll eine typische Straßenbebauung des vorigen Jahrhunderts wieder entstehen.

Der Weg führt durch die Köpenicker Straße am 1961 bis 1964 erbauten Heizkraftwerk entlang und kreuzt die Michaelkirchstraße. Von hier ist ein Blick auf die St.-Michael-Kirche möglich.

 


 


Köpenicker Straße



In der Köpenicker Straße 126 leuchtet in großen goldenen Buchstaben am Giebel eines fünfstöckigen Hauses der Name "VICTORIAHOF" (3). Rechts daneben steht die 1865 erbaute ehemalige Luisenstädtische Feuerwache, heute als Bürogebäude genutzt.

Tour 10 Victoriahof 500

Der 1905 errichtete "VICTORIAHOF" mit ursprünglich drei Quergebäuden (ein Gebäude mußte wegen Kriegsschäden abgerissen werden) und vier Hinterhöfen beherbergte früher bis zu 25 Firmen, besonders der Textil- und Metallwarenverarbeitung, aber auch eine Zigaretten-, Ofen- und Schuhfabrik, sogar eine Fabrik für Musikautomaten. Jetzt haben hier Unternehmen zur Umweltsanierung und Teile der Berliner Wasserbetriebe ihren Sitz.

Gegenüber, Köpenicker Straße 48/49, nur über eine schmale Zufahrt zu erreichen, befindet sich die ehemalige Stocksche Fabrik (4). 1905 erwarb der Industrielle Robert Stock das Grundstück, das früher dem Magistrat als Holzmarkt diente, und ließ eine Fabrik für Motorpflüge bauen.

In dem Komplex befanden sich außerdem verschiedene andere metallverarbeitende Betriebe, aber auch Druckereien und Lederverarbeitung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier Bekleidung genäht.

 


 


Der ungepflegte Platz am Luisenstädtischen Kanal:
Das Engelbecken



Durch die Adalbertstraße und den tiefgelegenen "Immergrünen Garten" der Grünanlagen im ehemaligen Luisenstädtischen Kanal kommen wir zum Engelbecken. Hier verlief fast 40 Jahre die Mauer, die Ost- und Westberlin trennte.

Nördlich der Grünanlage steht ein rotes Klinkergebäude (5). Es wurde 1900 als erstes Gewerkschaftshaus in Berlin errichtet. Heute befindet sich hier das Landesinstitut für Tropen-medizin. Wenige Meter daneben im Stil der Neuen Sachlichkeit das Haus der ÖTV, erbaut 1930 von Bruno und Max Taut.

Der vor uns liegende, ungepflegte Platz ist das in "Mauerzeiten" zugeschüttete Engelbecken, benannt nach dem auf der benachbarten St.-Michael-Kirche thronenden Erzengel.

Das Becken soll wieder zu der schönen Wasserfläche umgestaltet werden, die hier einst war. Die derzeit laufenden Rekonstruktionsarbeiten im Rosengarten bis zur Waldemarbrücke sind bereits weit fortgeschritten.

An der Ostseite des Platzes befindet sich der "Engelbecken-Hof" (6) am Leuschnerdamm 13, erbaut 1904 von R. Schäfer. Ein schmales sechsgeschossiges Haus mit der Giebelfront zur Straße, die Fensterachsen in zwei große Bögen eingeordnet. Reliefs mit Schiff und Lokomotive sollen wohl für die Bedeutung des Handels stehen.

Tour 10 Engelbeckenhof 500

Hinter dieser Front verbergen sich sechs Höfe, die Fassaden wie üblich mit weißem Klinker verblendet. Das Besondere hier ist die Form der Höfe, die sowohl acht- wie fünfeckigen Grundriß aufweisen. Eine Maschinenfabrik, Schirmfabrik, Tischlereien, Druckereien - 12 Firmen waren 1935 hier untergebracht, bis heute haben sich solche Gewerbe hier gehalten.

 


 


In der Ritterstraße



Wir biegen in die Ritterstraße ein und kommen zur Nummer 9-10.

"Pelikanhaus" (7) wird dieses fünfgeschossige Gebäude genannt, 1902-1905 von dem Architekten K. Berndt erbaut und ab 1933 vorübergehend im Besitz der Firma Pelikan. Aus dieser Zeit stammen der Name und das Symbol an der Fassade.

Der auffallendste Schmuck sind vier überlebensgroße Atlanten als Gesimsträger. Hier gibt es nur einen Hof mit zwei Seitenflügeln und dem abschließenden Quergebäude, der vor wenigen Jahren restauriert wurde. Elektromotoren, Fahrräder, Uniformen, Beleuchtungskörper u.a. wurden in den dreißiger Jahren von den hier ansässigen 17 Firmen hergestellt. Heute wird im gesamten Komplex Lichttechnik produziert.

Das nebenstehende Gebäude ist der "Ritterhof" (8).

1906 wurde er von den Architekten Schilbach und Schweitzer erbaut. Die Fassade ist mit farbigen Glasurklinkern verblendet und besitzt reichen Terrakottenschmuck, darunter ein Ritter, der dem Haus seinen Namen gab. Die zwei allseitig umbauten Höfe sind mit zweispurigen Durchfahrten verbunden.

Das Adreßbuch 1935 weist 31 Firmen hier aus: Billards und Mineralwasser, Beleuchtung und Musikwaren, Autoöle und Toilettenartikel wurden hergestellt. Auch heute sind Metallverarbeitung, Druckereien und Papierhandel, Modell- und Innenausbau vertreten.

 


 


Am Wassertorplatz


Über den Wassertorplatz (9) gehen wir weiter.

Hier war früher ein Hafenbecken am Durchbruch des Luisenstädtischen Kanals durch die Stadtmauer, deren Verlauf heute die U-Bahn charakterisiert. Der durch U-Bahn und Straßen zweigeteilte Platz wurde durch eine Grünanlage und einen Schüler-Verkehrsgarten neugestaltet.

Zum Abschluß der Tour können wir noch den "Elisabethhof" (10) am Erkelenzdamm (früher Elisabethufer) 59-61 besichtigen.

1897/98 von K. Berndt erbaut, bietet auch er ein einprägsames Gesicht. Die fünfgeschossigen Gebäude liegen hinter einem Wohnhaus, das die Straßenfront und den ersten Hof umfaßt.

Drei weitere Höfe dahinter sind untereinander durch Durchfahrten verbunden, teilweise noch von den Wunden des Krieges gezeichnet. Der erste Gewerbehof ist mit weißem Klinker verblendet, während die hinteren Höfe nur verputzt sind. Der hier ansässige Maschinen- und Apparatebau, Druckereien und Verlage, aber auch der Papierhandel setzen eine alte Tradition fort.

Am Landwehrkanal entlang erreichen wir von hier in wenigen Minuten den U-Bahnhof Prinzenstraße oder durch die Admiralstraße die U-Bahnstation Kottbusser Tor.

 


Tour 10 Gewerbehöfe Map 1000

Die historischen Gewerbehöfe in der Luisenstadt

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Tour 8 Karte 400

Vorherige Historische Fußtour No 9 lesen: "Der Luisenstädter Kirchhof am Südstern"


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Weitere neun historische Fußtouren finden Sie in unserem Nachdruck, kürzlich herausgegeben vom Bürgerverein Luisenstadt als Neuauflage des vergriffenen Titel von 1995:

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Mehr über das Buch und die Bezugsmöglichkeit hier. Mit dem Erwerb unterstützen Sie unsere ehrenamtliche Gemeinwohl-Arbeit für die Luisenstadt.

Und demnächst lesen Sie hier online die zehnte und letzte Fußtour aus unserer Serie "Fußtouren in der Luisenstadt".

Aus dem Inhaltsverzeichnis des Buches:

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Fusztour 1 Luisenstadt Wappen


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