Friedemann Bach

Ab 1723, nachdem der Vater in Leipzig zum Thomaskantor berufen worden war, besuchte Wilhelm Friedemann die Thomasschule und studierte dann Rechtswissenschaften. 1733 ging er nach Dresden und erfüllte hier - wie auch später in Halle - als überragender Organist auf das Schönste die vom Vater in ihn gesetzten Hoffnungen.  Nach dem Tod Johann Sebastian Bachs im Jahre 1750 versuchte Friedemann Bach, sich von den täglichen Zwängen zu befreien.

Es fühlte, dass seine Pflichten ihm nicht genügend Zeit ließen, sich seiner innersten Berufung, der Komposition, zu widmen. So lehnte er eine Berufung nach Darmstadt ab und gab 1764 seine Stellung in Halle auf, um als freier Komponist in Braunschweig unabhängig arbeiten zu können. Er schrieb Sonaten, Fantasien, Kantaten, Klavier- und Orgelkonzerte, die sich nicht allein durch großes handwerkliches Können auszeichnen. Sein Gespür für die neue Empfindsamkeit ließen ihn den „Sturm und Drang“ vorausahnen und einleiten. Etwas völlig Neues trat durch ihn in die Musikwelt!

Seine Zeitgenossen aber erkannten sein Genie nicht. Wilhelm Friedemann Bach fand keinen Mäzen! Er lebte ein unstetes Leben - ständig am Rande des wirtschaftlichen Ruins. Getrieben von schwerster finanzieller Not kam er 1771 nach Berlin in der Hoffnung, hier doch wieder eine feste Anstellung zu finden, z.B. als Organist an der Marienkirche. Auch am preußischen Hof musizierte er einige Male. Aber zu einer Verpflichtung - weder an der Marienkirche noch als Musiklehrer der Prinzen (Söhne des späteren Königs Friedrich Wilhelm II) - kam es nicht. Er starb - völlig verarmt - am 1. Juli 1784 und wurde auf dem Friedhof der Cöllnischen Vorstadt, dem späteren Luisenstadtfriedhof, beerdigt. Bis zum heutigen Tag wird Wilhelm Friedemann Bachs Werk weitgehend verkannt.

Der Friedhof wurde am 12. August 1817 geschlossen. An seiner Stelle befand sich anschließend der Luisenstädtische Kirchpark als Erholungsmöglichkeit für die Menschen aus der Umgebung. Er wird als Bodendenkmal seit wenigen Jahren wieder hergestellt. Wir vom Bürgerverein Luisenstadt e.V. sind froh, dass wir gemeinsam mit dem „Freundeskreis Wilhelm Friedemann Bach“ durch sein Portrait an der Luisenstadtstele den Ort letzten Ruhe des großen Musikers Wilhelm Friedemann Bach dem öffentlichen Vergessen entreißen konnten. Eine umfassende Würdigung seines Werkes muss noch folgen.