Karl Gottlieb Suarez wurde am 27. Februar 1746 in Schweidnitz (Schlesien) als Sohn eines Ratsherren und Advokaten geboren. Er studierte in Frankfurt/Oder Jura und begann 1766 in der schlesischen Justizverwaltung. Dort unterstützte er Johann Heinrich Carmer bei der Reorganisation und dem Wiederaufbau des Landes nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763). Sein finanzpolitisches und bildungspolitisches Talent setzte er vor allem bei der Kreditbeschaffung für die schlesischen Güter und im Schulwesen ein. Diese Erfahrungen leisteten ihm gute Dienste bei der Vorbereitung auf sein Lebenswerk, die Ausarbeitung des großen preußischen Gesetzbuches.

Seit 1780 war er die rechte Hand des inzwischen zum Großkanzler ernannten Carmer, mit dem er auch im selben Haus wohnte. Seine Aufgabe bestand vor allem in der Überarbeitung und publizistischen Verteidigung von Carmer’s Zivilprozessordnung. Diese wurde nach der Einbeziehung von zahlreichen Einwänden und Änderungsvorschlägen 1793 als „Allgemeine Gerichtsordnung“ verkündet. Sie reformierte u.a. das Hypothekenrecht und das Eherecht.

Später war Suarez leitend an der Sichtung, Zusammenfassung und Bearbeitung der verschiedenen Provinzialrechte beteiligt. Die Rechtsformen der verschiedenen Landesteile sollten in einem Buch zusammengefasst und, wo nötig, überarbeitet werden. Die zu den Entwürfen eingehenden Stellungnahme mussten kommentiert und veröffentlicht werden. Das „Allgemeine Gesetzbuch für die preußischen Staaten“ sollte 1792 in Kraft treten, wurde aber wegen des Widerstands konservativer Kreise, der durch die Eskalation der Französischen Revolution an Gewicht gewonnen hatte, zurückgestellt.

Erst der Bedarf einer Rechtsordnung für die 1793 an Preußen gefallenen polnischen Teilungsgebiete führte zur Einführung des nun als „Allgemeines Landrecht“ bezeichneten Gesetzeswerkes. Das Gesetzbuch, das den preußischen Absolutismus und die ständische Ordnung des friderizianischen Zeitalters wiederspiegelt, galt für ganz Preußen. Es ist Ausdruck der umfangreichen fachlichen und organisatorischen Lebensleistung Suarez’. Im 19. Jahrhundert wurde das Gesetzeswerk Schritt für Schritt ersetzt. Schließlich trat im Jahre 1900 das Bürgerliche Gesetzbuch an seine Stelle.

Suarez war 1790/91 auch Prinzenerzieher und führte den künftigen König Friedrich Wilhelm III in die Rechtswissenschaft ein. Er starb am 14. Mai 1798 in Berlin, kurz vor seiner Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Luisenstadtkirchhof.

Aufgestellt: Dr.-Ing. Dorothea Krause

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rbb Preußen-Chronik