Luisenstädtischer Kanal

Der Luisenstädtische Kanal
wurde 1848 in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme angelegt und 1852 eingeweiht. Er erfüllte damals zwei Funktionen: erstens entwässerte er das durch Spreehochwasser bedrohte Umfeld und zweitens diente er als Transportweg für den neu entstehenden Stadtteil. Die Redensart „Berlin ist aus dem Kahn gebaut“ trifft hier wirklich exemplarisch zu. Mit den so genannten „Kaffenkähnen“ schaffte man alles Baumaterial heran, vom Mauerstein bis zu Sand und Kalk für Mörtel, vom Deckenbalken bis zur Schüttung vom Pflasterstein bis zum Kantstein. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war die Bebauung seines Einzugsgebietes jedoch abgeschlossen. Und immer mehr erwies sich das brackige Kanalwasser als übel riechendes Ärgernis.

Also verfüllte man ihn, teils mit dem Schutt der neuen U-Bahnlinie, und der reformbewegte Gartenplaner Erwin Barth erhielt schließlich den Auftrag zur Umgestaltung in eine Gartenanlage. 1929 war die Einweihung. Der extrem dicht besiedelte Stadtteil hatte eine Oase,  Kinder geschützte Spiel- und Freiräume und Erwachsene ihre Orte der Erholung.

Natürlich blieb diese Idylle vom Zweiten Weltkrieg nicht verschont, doch der schlimmste Schaden entstand ihr 1961 durch die Teilung der Stadt. Wo der Kanalzug die Bezirksgrenze zwischen Kreuzberg und Mitte markierte, errichtete die DDR die Mauer; man verfüllte und planierte ihn und schnitt auch hier Luisenstadt entzwei. Krasser konnte der Funktionsverlust nicht ausfallen: vom Verkehrsweg zum Sperrgebiet, vom Erholungsgebiet zur Wüste.

Auf Kreuzberger Seite war der Kanalzug noch sichtbar, führte allerdings ein (Mauer-) Schattendasein. Bezirk und IBA taten in den 1980er Jahren das Mögliche um ihn behutsam zu sanieren oder ihm eine Kur zu verpassen, die dem Zeitgeist entsprach. Die markanteste Umgestaltung geschah an seinem südlichen Ende.

Nach dem Fall der Mauer taten sich jedoch ganz neue Perspektiven auf. 1991, in einer „Hauruck-Aktion“ wie sie nur in Zeiten des Umbruchs passieren kann, pflanzten Bezirk und Umweltsenat die Lindenreihen entlang des Bethanien-, Engel-, Leuschner- und Legiendammes. Danach war die andere Option, nämlich Ausbau zur großen Ost-West-Autotrasse, aus der Welt geschafft.

In Sondierungsgrabungen mit der Gartendenkmalpflege entdeckte man einen Großteil der Kaimauern, aber auch große Teile von Treppen-, Brunnen und Beckenanlagen. Es folgte die mutige Entscheidung für eine Rekonstruktion des Rosengartens und des Immergrünen Gartens, dann des Waldpflanzengartens und des Engelbeckens. Weiteres erfahren Sie in den folgenden Abschnitten oder noch besser - bei einem Spaziergang durch den Ehemaligen Luisenstädtischen Kanal.

Projekt Waldpflanzengarten
Der Waldpflanzengarten ist der Abschnitt der Barth’schen Grünanlage zwischen Adalbertstraße und Melchiorstraße im Zuge des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals. Er gehört zu Alt-Mitte Süd und war während der Teilung Berlins in den Grenzbefestigungsanlagen der DDR untergegangen. Bereits unmittelbar nach der Wende gehörte der Bürgerverein Luisenstadt e.V. zu dem Kreis der Interessierten, die eine denkmalgerechte ... mehr

Projekt Engelbecken
Dass sich das Engelbecken wieder mit Wasser füllte, hat in den letzten Jahren viele Anwohner gefreut – gleich ob man es von den umliegenden Häusern aus betrachtete, als Passant am Rosengarten oder als Gast des neuen „Café am Engelbecken“. Idyllisch war der Schilfgürtel, die Fontäne, die Enten, Blässhühner, der majestätische Reiher oder die treue Schwanenfamilie. All dies täuschte über die baulichen Mängel der Ufermauern hinweg. Der Bezirk hat daher gehandelt und seit Oktober 2005 laufen die Sanierungsarbeiten am Becken; jetzt, im Frühjahr 2007 kommen sie zum Abschluss. Auch hierzu (so z.B. im Juli 2005), hatte der Bürgerverein die Beteiligten zu einer Veranstaltung geladen, um über die bevorstehenden Arbeiten zu informieren. Was fehlt noch? Ein Schwanenhaus und auf jeden Fall diezwei Trauerweiden an den Ecken rechts des Cafés, aber womöglich auch eine Rekonstruktion des alten Pumpenhauses, genannt „Wasserschloss“. … mehr